Das nächste Fest gibt mir den Rest ...

Das nächste Fest gibt mir den Rest ...

Hurra, hurra, endlich Sommer! Das muss gefeiert werden! Am besten mit einem Grillfest, damit auch die Männer kommen. Oder gleich ein Bierfest, als vorgezogenes Minioktoberfest.

Warum nicht schon mal ein paar Monate vorglühen bis zur Wiesn? Als vor ein paar Wochen die Bäume blühten, hatten die Kenner das mit einem Kirschblütenfest im japanischen Stil gewürdigt. Als die Blüten noch unansehnliche Knospen waren, hat es wenigstens zu einem Frühlingsfest gereicht, kurz vor oder nach den Osterfeierlichkeiten. Danach ein zünftiger „Tanz in den Mai“ – im April, denn der Mai selbst ist reserviert für Maibaumfeste, Muttertagsfeten und Feuerwehrfeste. Auch wenn man wegen der kalten Witterung im Olchinger See und den anderen Badepfützen des Landkreises noch nicht ins Wasser hüpfen kann – zu einem Beachfest der DLRG reicht es allemal. Das alles ist aber nur der Auftakt für die großen Sommerfeste der Kitas, Horte, Schulen, Behörden, Stadtverwaltungen und Betriebe, mit denen die letzten freien Stunden im Juli vollflächig zugepflastert werden.

Puh! Das ist schon beim Lesen anstrengend. Wie sehr erst, wenn man selber mitten drin ist. Als Pfarrer war ich mal der Herr über die kirchlichen Feste, die festen Pflöcke im grauen Alltag, Highlights des Jahres. Den Trick mit den Festivitäten haben uns die Kinder dieser Welt so trefflich abgeguckt, dass inzwischen kein Wochenende mehr unbefestigt ist. Vor lauter Highlights ist der graue Alltag praktisch unsichtbar geworden. Das normale Leben – plattgefeiert von den Eventstrategen.

Event ist überhaupt das Zauberwort. „Eventmanager“ ist der Traumberuf vieler Jugendlicher. Boah ey, das Leben als Dauerparty, Gaudi pur, die Welt als heftiges Hip und Hop, alles dancet und groovet, von Fete bis Fiesta, dazwischen Chill-out und Siesta. Ich versuche, Jugendlichen deutlich zu machen, dass „Eventagentur“ eher eine beschönigende Bezeichnung ist für „schlechtbezahlte Berufe in der Gastronomie“, mit familienfeindlichen Arbeitszeiten, totaler Hingabe an den Kunden und intensivem Kontakt mit der Rückseite menschlicher Kultur, von der schwierigen Kommunikation mit Bekifften bis zum mühsamen Entfernen erbrochener Nahrung.

Ob’s hilft? Neulich hat mir ein Teenie verwundert berichtet, dass all die coolen Typen, mit denen er in den Clubs und Bars redet, alle keinen Plan für ihr Leben haben. Ich sagte, dass die exzellenten Leute mit effektivem Lebensplan abends nicht in den Bars abhängen, sondern sich ausschlafen für den nächsten Tag, in dem sie etwas Sinnvolles für die Fortentwicklung unserer Gesellschaft beitragen. Da habe ich doch tatsächlich einen kleinen Aha-Effekt ins jugendliche Antlitz zaubern können.

Vielleicht sollten Vereine, Kindergärten und Konsorten ihre Mitglieder diesen Sommer endlich mal nicht mit einem Sommerfest beschenken, zu dem Muttis selbstgebackenen Kuchen mitbringen müssen. Sondern mit der ersatzlosen Streichung desselben. Ein Fest weniger, ein Samstag ohne Termin, die Lizenz zum Faulenzen, guten Gewissens gammeln, gähnen, Fünfe grad sein lassen. Wie geil wär das denn!?

 

Werner Tiki Küstenmacher, 63 Jahre alt, ist evangelischer Pfarrer im Ehrenamt, Karikaturist und Buchautor („simplify your life“ und über 100 andere). Er wohnt mit seiner Frau, der Autorin Marion Küstenmacher, in Gröbenzell. Ihre drei Kinder arbeiten in Melbourne, Herrsching und Wien.

Am 14. Juni konnte man Werner Tiki Küstenmacher bei „Jetzt red I“ im Bayerischen Fernsehen zu erleben. Nachzulesen und zu sehen unter www.br.de

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