KEINE PANIK!

KEINE PANIK!

Rosling fängt seine Vorträge gern damit an, sein Publikum Grunddaten dieser Welt schätzen zu lassen. Raten Sie doch gleich einmal mit. Frage 1: Weltweit gehen Jungen im Durchschnitt acht Jahre zur Schule. Wie viele Jahre drücken Mädchen global die Schulbank? 7, 5 oder 3 Jahre? Frage 2: Kleinkinder sollten am Ende ihres ersten Lebensjahres gegen die gefährlichsten Krankheiten geimpft werden, mit der MMR-Injektion gegen Masern, Mumps und Röteln. Ein empfindlicher Impfstoff, der dauerhaft gekühlt werden muss. Wie viel Prozent der Kleinkinder weltweit erhalten diesen Schutz? 85, 45 oder 5 Prozent? Frage 3: Momentan sind rund zwei der 7,4 Milliarden Menschen auf der Erde unter 14 Jahre alt. Wie groß wird diese Gruppe bis Ende des Jahrhunderts sein? Gibt es 2100 dann 2, 3 oder 4 Milliarden Jungspunde?

Haben Sie sich für Antworten entschieden? Probieren Sie diese Fragen mal im Bekanntenkreis aus. Typischerweise hauen etwa 90% der Befragten daneben, unabhängig von Alter und Bildungsgrad. Hier die korrekten Antworten: Mädchen liegen in Sachen Schulausbildung weltweit nur noch ein Jahr hinter ihren männlichen Mitschülern. Lediglich 15 Prozent der Einjährigen bekommen die wichtige Impfung nicht. Und die Zahl der Kinder auf der Welt ist seit ein paar Jahren stabil. Die Weltbevölkerung wird zwar noch wachsen, aber nur wegen der steigenden Lebenserwartung. Weil die Säuglingssterblichkeit global zurückgeht (auch wegen der gestiegenen Impf-raten), hat sich in den meisten Ländern die Familienplanung geändert. Der Weltdurchschnitt liegt bei 2,4 Kindern pro Frau, Tendenz sinkend.

Roslings Fazit: Statistisch und langfristig gesehen wird das meiste auf unserer Welt besser. Wir Menschen sind innovativ, effizient und lernfähig! Natürlich wird nicht alles besser. Negative Entwicklungen allerdings nehmen wir besonders stark wahr. Die Erfolge der Weltgesundheitsorganisation bei Seuchenbekämpfung und Säuglingssterblichkeit dagegen, von denen Millionen Menschen profitieren, machen keine Schlagzeilen. Dafür aber jedes Attentat, auch wenn es nur eine sehr kleine Zahl von Menschen betrifft.

Um unser Leben zu meistern, sollten wir von Roslings mutiger statistischer Wahrnehmung der Welt lernen. Ein Terrorakt oder ein Amoklauf sind schreckliche Ereignisse, aber es ist extrem unwahrscheinlich, dass sie uns persönlich treffen. Selbst falls sie – was Gott verhüten möge – ganz in unserer Nähe, in unserem Landkreis, in unserem Wohnort geschehen. Also Entwarnung? Oh nein. Es gibt viel zu tun, die Herausforderungen sind enorm. Aber wir Menschen haben schon allerhand gemeistert.

Leider hat diese optimistische Kolumne ein trauriges Ende. Denn im Februar 2017 starb Hans Rosling mit nur 68 Jahren. Sein Wunschtraum wurde ihm nicht erfüllt: 100jährig im Jahr 2048 mitzuerleben, wie die Zahl der Menschen auf der Erde insgesamt nicht mehr wächst. Aber Rosling lebt weiter auf YouTube. Gönnen Sie sich dort seine großartige BBC-Sendung „Don’t panic“ oder seinen berühmten zehnminütigen Vortrag „The magic washing machine“. Das wird Ihren Blick auf die Welt verändern.

 

Seit August kann Werner Tiki Küstenmacher den Song „When I’m 64“ seines musikalischen Vorbilds Paul McCartney als Betroffener mitsingen. Tiki ist evangelischer Pfarrer im Ehrenamt, Karikaturist und Buchautor. Mit seiner Frau, der Autorin Marion Küstenmacher, wohnt er in Gröbenzell. Ihre drei Kinder arbeiten in Melbourne, Herrsching und Wien. Am Sonntag, 8. Oktober 2017 ist Tiki um 10.30 Uhr in Radio Bayern 1 in der „Evangelischen Morgenfeier“ zu hören.

Dorthin, wo der Pfeffer(minz) wächst

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Aufgeräumt

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