Wie früher

Wie früher

So schnell kommt am Marktstand von Toni Sterr niemand vorbei. Verführerisch locken seine rotbackigen Äpfel, duften die sonnengereiften Orangen und bannt das knackfrische Gemüse das Auge. Angezogen vom würzigen Geruch Südtiroler Schinkens und Almkäses läuft den Besuchern in Maisach und Olching regelrecht das Wasser im Munde zusammen. Vor allem, wenn der gebürtige Südtiroler Rezepte seiner Heimat verrät. Das tut der 89-Jährige, der alle zwei Wochen seine 1A-Waren persönlich bei den Erzeugern in Italien abholt, nur zu gerne. Und seine Gerichte sind so ursprünglich wie köstlich, dass man am liebsten gleich loskochen möchte. „Halt so, wie die Bergbauern auf der Alm früher gekocht haben!“

ANTON STERR hat einen Lebenslauf, der ganze Bücher füllen könnte. Geboren in Tramin, Südtirol, kommt er nicht ganz freiwillig mit nur zwölf Jahren als Flakhelfer zum deutschen Militär. Nach dem Krieg wird er Koch („das bringt doch die Natur mit, dass man kochen kann“), übernimmt unter anderem die Bewirtung eines Campingplatzes (und nebenbei die der russischen Nationalmannschaft im Speedway!), dann eine Wirtschaft in Altenmarkt, später einen Reiterhof. Schließlich gründet der Familienvater eine Firma für Ladenbau. Ein Herzinfarkt erzwingt seinen Rückzug. Toni Sterr, der kaum Rente bekommt, weiß jedoch, wie man um sein Leben kämpft. „Ich hab oft frisch angefangen“, sagt er, und füllt den Laden seiner Frau Brigitte in Gröbenzell mit Südtiroler Spezialitäten. Hier starten die beiden auch einen Service für Geschenkkörbe und belegte Platten. Diese sind selbst nach dem Umzug des Geschäftes 2013 in den mobilen Stand auf dem Marktplatz noch beliebt.Obwohl heute ein Fuß nicht mehr so recht will, ist Anton Sterr nicht zu bremsen. „Jammern gibt es bei mir nicht“, sagt er und daheim nur im Stuhl sitzen und auf das Ende warten, sowieso nicht. Alle zwei Wochen fährt der drahtige Mann mit seiner Frau 800 Kilometer nach Südtirol, um die Waren für den Stand von den Erzeugern abzuholen. „Naturbelassene Lebensmittel“, betont der Koch aus Leidenschaft. Bitten und betteln sind ihm zuwider. Und aufgeben? Anton Sterr schüttelt energisch den Kopf. „Ich arbeite so lange, bis ich umfalle“, verspricht der Toni.

Anton Sterr, wie er leibt und kocht!

Anton Sterr, wie er leibt und kocht!

BERGBAUERN-KRAUT

1 kg Sauerkraut, 1 Zwiebel, Wacholderbeeren, Pfefferkörner, Lorbeerblätter, 1 Speckschwarte, etwas Butter.

Am Vortag das Sauerkraut klein schneiden. Mit einer halben geschnittenen Zwiebel, einigen Wacholderbeeren, dem Pfeffer und ein bis zwei Lorbeerblättern in einen Topf geben. Mit Wasser auffüllen, bis das Kraut knapp bedeckt ist. Die zweite Zwiebelhälfte in Butter goldbraun anrösten, die Speckschwarte dazugeben. Etwa eine Stunde lang kochen und stehen lassen. Am nächsten Tag noch einmal eine Stunde kochen, die Speckschwarte in kleine Stücke schneiden und wieder hinzufügen.

GUSTL-TIPP: Sauerkraut auf einer Unterlage in Rauten schneiden.

Specknödel mit Kraut: ein kräftiger und sättigender Genuss!!!

Specknödel mit Kraut: ein kräftiger und sättigender Genuss!!!

 SPECKKNÖDEL NACH SÜDTIROLER ART

Ca. 600 g Knödelbrot, kleingeschnittene Petersilie, gewürfelter Speck, ein Zweig Selleriekraut, etwas Mehl, ½ - 1 l Milch (je nach Menge des Knödelbrotes), etwas Speiseöl, 4 Eier

Das kleingewürfelte und geröstete Knödelbrot in einer großen Schüssel mit Mehl einstäuben. Mit der frischen Petersilie mischen. Speck zusammen mit einem Zweig Selleriekraut in einer Pfanne kurz anschwitzen. Das Kraut entfernen und mit dem Knödelbrot gut vermischen. Die Milch und Eier zusammen mit etwas Speiseöl sehr gut verquirlen. So viel davon mit dem Knödelbrot vermengen, dass eine feuchte, aber nicht zu nasse Masse entsteht. Etwas ruhen lassen. Mit den Händen Knödel formen und zum Schluss mit nassen Händen den Speck noch einmal „einarbeiten“. Wasser mit Salz und Öl zum Kochen bringen und die Knödel darin 10 bis 15 Min köcheln lassen. (Eventuell erst einen Probeknödel machen).

GUSTL-TIPP: Das Knödelbrot gibt es bei Anton Sterr auf Bestellung zu kaufen – schon fertige Knödel auch.

 

SÜDTIROLER GERST-SUPPE (GRAUPENSUPPE)

Etwa 300 g Graupen (je nach Bedarf), 1-2 Lorbeerblätter, 1 Lauch oder 1 Zwiebel, 1 Speckschwarte, ein paar Blätter Maggikraut, kleingeschnittene Petersilie, Salz, Pfeffer

Die Graupen zwei Tage lang in Wasser einweichen. Lauch oder Zwiebel leicht anrösten. Mit Salz, Lorbeerblatt, Pfeffer und der Speckschwarte „würzen“. In Abständen drei Mal kochen, bis sowohl die Graupen als auch die Speckschwarte weich sind. Die Schwarte in kleine Stücke schneiden und hinzufügen. Zum Schluss das Maggikraut und die Petersilie hinzufügen.

GUSTL-TIPP: Warmer Start in den kalten Wintertag: Graupensuppe zum Frühstück. „Die lieben die Almbauern heute noch“, sagt Anton Sterr

Die Graupensuppe ist auch ein guter Start in den Tag!

Die Graupensuppe ist auch ein guter Start in den Tag!

SCHNELLE VINSCHGERL

Vinschgerl (Fertigprodukt), Südtiroler Speck, Käsescheiben (am besten einen gschmackigen Bergkäse)

Vinschgerl halbieren und mit dem Speck und Käse belegen. Im Ofen bei Oberhitze (180 Grad) überbacken, bis der Käse schmilzt. Perfekt zu einem Gläschen Rotwein.

GUSTL-TIPP: Echte Landweine direkt vom Winzer gibt es auch am Marktstand.

Schnell zubereitet und perfekt zu einem Glas Rotwein!

Schnell zubereitet und perfekt zu einem Glas Rotwein!

TOPFEN-PALATSCHINKEN

200 g Mehl, Milch, etwas Öl, etwas Zucker (je nach Geschmack), 3 Eier, Speisequark, Öl, etwas Milch, ganz wenig Zucker

Mehl, Milch, Zucker und Eier zu einer noch leicht zähen Masse verquirlen. Etwas Öl hinzufügen. In Öl goldgelb ausbacken. Den Quark mit etwas Speiseöl, Zucker und Milch verrühren und in die Palatschinken füllen.

GUSTL-TIPP: Schmeckt auch köstlich mit den selbstgemachten Fruchtaufstrichen von Brigitte Sterr!

Der perfekte Abschluss: Topfenpalatschinken!

Der perfekte Abschluss: Topfenpalatschinken!

Alles am Fluss

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AUCH IM SOMMER GUT SCHLAFEN

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