Bestattet unter Bäumen – getröstet von der Natur
Fotos: Corinna Eichberger-Renneisen – Text: Petra Neumaier
Wie Balsam legt sich der Duft des Waldes auf die wunde Seele. In der Natur und unter dem beschützenden Dach der hohen Bäume ist die Trauer sowieso eine andere. Eine tröstende, weil der Wald so lebendig ist. Hasen hüpfen über den Weg, Vögel zwitschern, Insekten brummen. Dazu die ständige Veränderung der Vegetation. Auch für Christiane Gräfin von Spreti und ihren Mann Ferdinand, die seit August 2025 Waldruh Mammendorf betreiben, ist ihr Bestattungswald ein ganz besonderer Ort.
Träger des Bestattungswaldes ist die Gemeinde Mammendorf – Das Unternehmen „Waldruh“ war und ist der Konzeptionsgeber und Berater. Realisiert und mit viel Liebe betrieben wird die Einrichtung aber von der gräflichen Familie von Spreti, für die der Bestattungswald „ein Herzensprojekt“ ist. „Es ist sehr erfüllend, einen Ort geschaffen zu haben, wo Leben und Tod vereint sind. Und wo es gleichzeitig friedlich und doch lebendig ist“, schwärmt Christiane von Spreti.
Herrlich ist es hier! Aber wie kommt man darauf, seinen Forst Verstorbenen als letzte Ruhestätte zur Verfügung zu stellen?
Ferdinand von Spreti: Bereits vor vielen Jahren habe ich von einem Bestattungswald in der Schweiz erfahren und einen der ersten in Deutschland besucht. Die schöne Stimmung und das Konzept gefielen mir so gut, dass ich meine Familie schnell davon überzeugen konnte, selbst einen solchen Wald einzurichten.
Christiane von Spreti: Die Entscheidung für den Bestattungswald in Mammendorf fiel schnell: Die öffentliche Verkehrsanbindung durch den S-Bahn- und Regionalbahnhof ist ideal und zu Fuß ist man von hier in gut zehn Minuten im Bestattungswald! Ein schöner Spaziergang ist es obendrein. Außerdem wohnen wir quasi nebenan und können die Trauernden persönlich betreuen.
Ein ungewöhnlicher Kraftort in der schweren Zeit des Abschieds ist der Bestattungswald in Mammendorf. Die hohen Bäume stehen hier zum großen Teil seit mehr als einem halben Menschenleben. Und sie werden auch noch lange hier sein: Mindestens für die Dauer von 75 Jahren, denn so lange läuft der vorläufige Vertrag mit der Gemeinde. „Und sollte ein Baum vorzeitig sterben oder bei Stürmen beschädigt werden, wird selbstverständlich mit größeren Jungbäumen nachgepflanzt“, verspricht Ferdinand von Spreti.
Wie lange dauerte es von der Idee bis zur Eröffnung?
Ferdinand von Spreti: Fast zwei Jahre. Denn neben der Flächennutzungsplanänderung benötigten wir viele Genehmigungen unterschiedlicher Behörden. Die Gemeinde Mammendorf hat uns dabei immer sehr unterstützt.
Christiane von Spreti: Die Umsetzung brauchte ebenfalls ihre Zeit: Um die 200 ausgewählten Bestattungsbäume musste etwas Platz geschaffen werden – was wir herausnahmen, kam dann als Hackschnitzel auf die neu angelegten Wege. Ein Parkplatz, der überdachte Andachtsplatz, Toiletten und die Beschilderung kamen hinzu. Und fünf Ruhebänke an besonders schönen Plätzen.
Wirklich perfekt – und die Resonanz ist entsprechend groß. Muss man sich beeilen, um sich einen Platz zu sichern?
Ferdinand von Spreti: Tatsächlich sind seit der Eröffnung etwa 15 Prozent der 2000 Grabstellen belegt. Von den möglichen 16 haben wir aber erst zwei Hektar angelegt, sodass Erweiterungspotential besteht.
Gibt es Beschränkungen, wer im Bestattungswald in biologisch abbaubaren Urnen ruhen darf und wer nicht?
Christiane von Spreti: Nein, alle sind willkommen, egal welcher Herkunft und Glaubensrichtung. Entsprechend sind auch alle Zeremonien möglich – wir versuchen, jeden Wunsch für einen würdevollen Abschied zu erfüllen.
Und was kostet eine Grabstelle im Wald?
Ferdinand von Spreti: Die einmalige Gebühr beträgt zwischen 550 und 1950 Euro für Gemeinschaftsbäume, 6500 bis 12 500 Euro für Familienbäume und richtet sich nach Kategorie, Baumart und Standort. Die Ruhezeit – beginnend ab der Belegung – ist stets 20 Jahre, bei Gemeinschafts- sowie Familienbäumen bis zum Jahr 2100. Danach kann sie verlängert werden. Bei zwei Ruhestätten beginnen die 20 Jahre erst ab der zweiten Beisetzung, egal wie weit sie voneinander entfernt stattfinden. Das motiviert viele Menschen, für sich und die Angehörigen vorzusorgen. Für Sternenkinder bis zum zehnten Lebensjahr ist die Bestattung an unseren beiden, für sie reservierten Sternenkinderbäumen kostenfrei.
Geschmückt oder gestaltet werden dürfen die Gräber aber nicht, oder?
Christiane von Spreti: Gerne kann die Familie am Tag der Beisetzung ein kleines Gesteck aus reinem Naturmaterial oder einzelne Blumen mitbringen und für eine Woche liegen lassen. Später sind Pflanzungen, Gestecke oder Kerzen nicht mehr möglich. Die Jahreszeiten sorgen ohnehin für stetig wechselnden, natürlichen und schönen Grabschmuck.
Tipp: Führung jeden 1. und 3. Samstag/Monat, 11 Uhr*
*Persönliche Führungen jederzeit nach Vereinbarung
Waldruh Mammendorf
Schloßbergstraße 4, 82291 Mammendorf, Telefon 08145 4843010, info@waldruh-mammendorf.de, www.waldruh-mammendorf.de
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