Ernten vom Dach

Ernten vom Dach

Fotos: Corinna Eichberger-Renneisen – Text: Petra Neumaier

 

Endlich wieder raus in den Garten: die ersten grünen Sprosse der noch winterkalten Erde begrüßen und ab April die verdorrten Stauden und Gräser schneiden, in denen viele und nützliche Insektenarten überwintern konnten. Während die meisten Gärtner ebenerdig ihrem Hobby frönen, steigen andere auf ihr Garagendach – wo sicher vor Schnecken und mit weniger

Beschattung der Bäume selbst Gemüse- und Salatpflanzen sowie mediterrane Kräuter gedeihen, die ein Stockwerk tiefer kaum eine Chance hätten. GUSTL hat in Fürstenfeldbruck eine solche Oase besucht und eine Reihe von Tipps gesammelt.

 

Es grünt, so grün, auf dem Garagendach der Familie Lohmeyer. Flächendeckend verstecken weiche Kissen von köstlich aromatischen Walderdbeeren die ehemalige Kiesfläche und machen allenfalls wenigen Trittsteinen und Kübeln Platz. Üppig behängt sind Tomaten,- Paprika-, Zucchini- und Auberginenpflanzen. Sogar Physalis, Kohlrabi, Dill und Mangold strotzen vor Kraft, während sich die Zuckererbsen noch an den Sonnenblumen emporranken – bestens geschützt vor Wühlmäusen, Kaninchen und gefräßigen Schnecken, die im Garten vergeblich nach den zarten Blättern und Trieben suchen. Vor etwa fünf Jahren hat Birgit Lohmeyer ihr 08/15-Garagendach in eine Oase verwandelt: zum Beernten und Durchatmen.

 

Angefangen hat alles ebenerdig im Garten. Dort baute die zweifache Mutter „ganz normal“ Salat und Gemüse an – oft ohne nennenswert etwas ernten zu können. Denn Schnecken und die Kaninchen fraßen alles auf. „Irgendwann hat es mir gereicht“, erzählt sie und dass ihr gleichzeitig das Dach ihrer Garage auffiel. „Warum nicht?“. Mit ein paar wenigen, bepflanzten Töpfen fing sie an, probierte aus und ist bis heute begeistert. „Die meisten Bodendecker und Kräuter haben sich ganz allein niedergelassen und rasch verbreitet“, erzählt die 56-Jährige. Darunter auch die aromatischen Walderdbeeren, deren Ernte so reich ist, dass sie davon sogar Marmelade kochen kann. Als berufstätige Mutter von zwei Kindern schätzt sie besonders den weitaus geringeren Pflegeaufwand des Dachgaragengartens. Zwar muss sie auch hier mindestens einmal im Jahr „ausmisten“, was sich wild angesiedelt hat – darunter auch kleine Bäumchen – und an heißen Tagen muss viel gegossen werden: „In mückenreichen Sommern ist es hier oben viel angenehmer“, stellt sie fest und denkt über eine kleine Leseecke nach.

 

Lohnen tut sich der Aufwand auf jeden Fall, bestätigt sie. Denn Wühlmäuse und gefräßige Nacktschnecken verirren sich nicht auf das Garagendach. „Und die Hasen müssen mit dem Vorlieb nehmen, was unten im Garten wächst“, sagt Birgit Lohmeyer. Auch der ökologische Effekt, neben der kühleren Garage im Sommer und der natürlichen Wärmedämmung im Winter sowie dem UV- und Witterungsschutz der Dachabdichtung, ist nicht von der Hand zu weisen. Denn begrünte Garagendächer binden Feinstaub, schaffen für Vögel und Insekten einen geschützten Lebensraum, reduzieren Co2-Emissionen und verbessern die Luftqualität. Der erweiterte Lebensraum und … Birgit Lohmeyer lächelt verträumt:

 

Ein wenig wie in einem Adlernest wähnt sie sich hier oben – weit weg von der Spülmaschine, die noch auszuräumen wäre und anderen Erledigungen. Versteckt vor neugierigen Blicken und trotzdem draußen zu sein, gibt ein Gefühl von Freiheit. Und „man braucht keine Leiter, um die Zwetschgen vom Baum nebenan zu ernten.“

 

 

Extensive oder intensive Begrünung?

Die einfache Variante ist die „extensive“ Begrünung, bei der „lediglich“ kleine und pflegeleichte Grünpflanzen auf das Garagendach gepflanzt werden. Meist handelt es sich dabei um die Gattung „Sedum“ der Familie der „Dickblattgewächse“, von denen es rund 420 Arten gibt. Bekannt sind zum Beispiel Mauerpfeffer und Fetthenne. Weil diese Pflanzen Sonne und halbschattige Plätze mit durchlässigem, eher magerem Boden lieben, werden sie von jeher gerne an trockenen Standorten und Steingärten gesetzt. Diese Bepflanzung erfordert in der Regel auch nur gelegentliche Kontrollen und Pflege, wie das Entfernen von Unkraut oder abgestorbenen Pflanzen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie schnell für eine dichte und sich rasch ausbreitende Begrünung sorgen. Geeignet sind aber auch wärmeliebende Gräser und Kräuter.

Etwas mehr Aufwand macht die „intensive“ Begrünung. Denn Beete, Sträucher sowie kleine Bäume in Kübeln erfordern nicht nur eine höhere Traglast der Garage, sie wollen auch zuverlässig begossen werden. Eine automatische Bewässerung hilft den Aufwand zu minimieren, ebenso wie Pflanzgefäße mit integrierter Drainage.

 

Voraussetzungen für einen Garten auf dem Garagendach:

1.      Eine solide Statik und eine sehr gute Abdichtung. Denn das Dach muss das zusätzliche Gewicht von Erde, Wasser und Pflanzen sowie eventuelle Gehplatten aushalten.

2.      Um Staunässe zu vermeiden, muss die Entwässerung des Daches sichergestellt sein.

3.      Eventuell ist eine Genehmigung durch die Kommune erforderlich. In der Regel bei „freiwilligen“ Begrünungen im Landkreis Fürstenfeldbruck eher nicht, solange die Statik beachtet wird.

4.      Eventuell gibt es sogar Förderprogramm und Zuschüsse, wie aktuell zum Beispiel in Germering – einfach mal im Rathaus nachfragen.

5.      Günstigste Monate zum Anpflanzen sind der Mai, der Juni und der September. Aussaaten besser im September und Oktober.

 

 

 

Tipp: Lieber vorher professionell beraten lassen, als hinterher Schäden beseitigen! Übrigens: Nicht nur Garagen, sondern auch flache Hausdächer freuen sich über eine Begrünung!

 

Brennend heiß

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Vorsorge statt Nachsorge

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