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Als Fürstenfeldbruck Kurstadt werden wollte

Als Fürstenfeldbruck Kurstadt werden wollte

Fotos: Archiv, Petra Neumaier - Text: Petra Neumaier

 

Im Spielcasino des mondänen Kurhauses wechseln bunte Jetons die Besitzer, während im Hintergrund leise Musik die hohe Halle ausfüllt. Währenddessen flanieren auf gepflegten Wegen des Kurparks Männer und Frauen, müde von den warmen Bädern und kalten Güssen, von den Massagen und vom Wassertreten – und doch in froher Erwartung auf das Abendessen in den noblen Hotels und gemütlichen Gasthäusern ... Ja, das Leben wäre in „Bad Fürstenfeldbruck“ ein anderes geworden, wären das Vorhaben der Stadtväter und des Kneippvereins realisiert worden. Die Voraussetzungen, aus Bruck einen Kneippkurort zu machen, waren vor 100 Jahren gegeben, und die Chancen auf eine Umsetzung waren so groß wie die Pläne, an denen das ambitionierte Projekt gleich zweimal scheitern sollte.

 

 Die Amper als Badegewässer mit Heilwirkung war wohl immer wieder Thema bei Markt- und den späteren Stadtratssitzungen. Denn als anerkanntes Kurbad hätte es der Kommune sichere Einnahmen beschert. Die Pläne wurden jedoch trotz bester Voraussetzungen und prominenter Fürsprecher mindestens zweimal in den vergangenen 100 Jahren aufgegeben.

Um die Jahrhundertwende in Bayern: Die gesundheitsfördernden Lehren des Sebastian Kneipp sind groß in Mode. Besonders in der Keimzelle der Bewegung, dem Dorf Wörishofen, wo bereits 1889 der reguläre Kurbetrieb unter der Leitung des dort tätigen Beichtvaters begonnen hatte. 1920 erhält der sich rasch vergrößernde Ort bereits das Prädikat „Bad“. Davon inspiriert, strebt Fürstenfeldbruck wenige Jahre später zumindest eine eigene Kneipp-Anlage an. 1927 werden die ersten Pläne des „Sebastianum“ den Räten des Marktes vorgelegt.

 

Mit dem Bau des Amperbades hatte Bruck bereits 1896 einen zentralen Ort zum Baden und Verweilen am „heilsamen Flusswasser“ auf 30 000 Quadratmetern errichtet. Liegewiesen und Umkleiden machten den Zugang komfortabler, es gab sogar einen Sprungturm, ein Kinderbecken, Bootsfahrten und einen Sportplatz. Nach Sturmschäden wurde das Bad grundlegend umgebaut und 1954 als „Städtisches Amperbad“ wiedereröffnet. Zusätzlich zum Flussbad entstand ein modernes Freibad.

 

Und der ist alles andere als abgeneigt. Zumal Fachleute in höchstem Maße das gesunde Amperwasser preisen – und die gute Luft: „Ein erfrischender Luftzug streicht auch meist bei der sonst drückendsten Sommerschwüle über die Ebene dahin, bringt das Ozon aus den Tannwäldern und entführt alle schädlichen Miasmen“, so ist in einer Aufzeichnung im Stadtarchiv zu lesen. Hinzu kommen vielfältige Ausflugsmöglichkeiten und Freizeitangebote. All diese Vorzüge hatte wohl auch die Krankenkasse Landshut erkannt, die zu dieser Zeit bereits auf der Ludwigshöhe ein Erholungsheim betrieb. Und sogar Pfarrer Kneipp selbst habe, so argumentierte der unbekannte Verfasser der Schrift, Bruck zu einem „zweiten Wörishofen“ machen wollen.

 

So motiviert, planen die Stadtväter in größeren Dimensionen: 1929 kommt der Vorschlag für ein Kurhaus auf den Tisch, das innerhalb von zwei Jahren zu einem überdimensionierten Projekt anwächst. Prunkvoll ausgestattet, sollte es gar alle anderen Kurhäuser in den Schatten stellen! Geplant ist zudem eine moderne Groß-Badeanlage zwischen Amper und Fürstenfelder Straße. Doch dann durchkreuzt die Wirtschaftskrise die Pläne. Aus dem bereits reservierten Areal für das Kurhaus soll viel später der heutige Stadtpark werden.

 

Der Zweite Weltkrieg lässt das Vorhaben gänzlich in Vergessenheit geraten. Auch der Anfang der 1930er-Jahre gegründete Kneippverein, der Vorträge und Veranstaltungen organisiert hatte, stellt seine Aktivitäten ein. Erst 1950 wird er wieder aktiv und beantragt sogleich den Bau eines Wassertretbeckens auf städtischem Grund. Denn die zuvor errichteten Anlagen auf dem Engelsberg und am Weiherhaus waren zu entlegen, um von den Bewohnern angenommen zu werden.

 

Justament mit diesem Antrag flammen auch die alten Pläne für eine Kurstadt wieder auf. Unterstützung bekommt der Verein vom damaligen Zweiten Bürgermeister Leonhard Plonner, selbst ein leidenschaftlicher Kneippianer. Er erhofft sich durch die Umsetzung einen wirtschaftlichen Aufschwung für seine Stadt – zumal Bad Wörishofen zu diesem Zeitpunkt ohnehin keine Kapazitäten mehr hat. Und so keimt nicht nur der Gedanke, in Fürstenfeldbruck ein Kneipp-Sanatorium zu errichten, sondern gleich eine ganze Kur- und Kneipp-Stadt zu entwickeln. Bei der Eröffnung der Kneipp-Anlage am Silbersteg am 13. August 1950 wünscht denn auch der Vorsitzende des Kneipp-Vereins München: „Möge Fürstenfeldbruck als Kneippkurort einst die Berühmtheit erlangen, die es als Flugplatz besitzt.“

 

Bereits im Herbst wird der Garten der alten Sparkasse am linken Amperufer mit Beeten und Wegen als „kleine Uferpromenade“ hergerichtet. Und als auch der Stationsarzt der Münchner Universitätsklinik 1951 das mineralstoffarme Amperwasser als „sehr geeignet“ attestiert, stimmt der Stadtrat den Plänen zu – einzige Bedingung: Der Kneipp-Verein muss den Ausbau der Anlagen mitfinanzieren.

 

Der erfreut sich 1952 einer hohen Mitgliederzahl. Nach dem Beitritt zur Gartenbau- und Keltereigenossenschaft legt er einen für Kurorte typischen Gewürzkräutergarten im Bezirksgarten an. Die Kneippanlage am Silbersteg ist bereits erweitert, als Anfang 1953 der Pächter die Fürstenfeldbrucker Sauna so umbaut, dass dort Voll-, Sitz- und Fußbäder sowie Heublumen-, Latschen- und Kohlensäurebäder genommen werden können. Auch Güsse werden unter fachmännischer Aufsicht verabreicht.

 

1954 ist die komplette Kneippanlage an der Schöngeisinger Straße fertiggestellt und bereit für Kneippkuren. Jetzt fehlt lediglich noch ein Kurheim für die Kneippgäste, weshalb Hotelier Ludwig Weiß im November die „Kur- und Badeanstalt im Oberhaus“ eröffnet ... Doch dann – niemand weiß, warum – versiegen die Pläne so schnell, wie sie gekommen waren. Einzig die Anlage am Silbersteg ist geblieben – und der Verein, der unter dem neuen Namen „machmit“ Gesundheits- und Sportkurse sowie Vorträge anbietet.

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