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Das kleine Wunder von Nannhofen

Das kleine Wunder von Nannhofen

Fotos: Simon Katzer, Petra Gerum - Text: Petra Neumaier

 

Anders als ein Wunder lässt sich das kaum bezeichnen, wenn man die „Vorher“-Bilder des denkmalgeschützten Einfirsthofs mit dem vergleicht, was Petra und Florian Gerum daraus gemacht haben. Und das in nur zehn Monaten! Mit großem Respekt vor der Geschichte und viel Liebe zum Detail verwandelten sie im vergangenen Jahr das 260 Jahre alte und seit Jahrzehnten heruntergekommene Häusl in Nannhofen zu einem wunderschönen Anwesen: Das „Lebensgfui“ ist der beste Beweis dafür, dass sich Visionen verwirklichen lassen – wenn man sie einfach anpackt. Gemeinsam mit der Familie und regionalen Handwerkern.

 

Frühling 2024: Petra und Florian Gerum schließen den Kaufvertrag mit dem Eigentümer, der Gemeinde Mammendorf, ab. Bei Spaziergängen durch ihren Heimatort war der jungen Unternehmerin schon lange das seit zehn Jahren leerstehende Bauernhaus aufgefallen – und es ließ sie nicht mehr los. „Da könnte man doch was draus machen“, war ihr Standardsatz, mit dem sie schließlich auch ihren Mann überzeugte. Ohnehin war sie auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für ihre rasch wachsende Organisation „Help4Help.“

 

Dass das Anwesen so lange keinen Käufer finden wollte, wundert nicht. Feucht waren die Wände, faulig die Böden und morsch die Balken. Überall bröckelte der Putz. Insgesamt waren Wohnhaus und Tenne in einem so bedauernswerten Zustand, dass sie ohne Denkmalschutz vermutlich eher zum Abriss als zur Sanierung animiert hätten.

 

 

Gebaut wurde der Einfirsthof in der Dorfstraße 12 um 1760. Darin wohnte wohl zunächst ein Schuster – darum der Hausname „Großschuasta“). Bis 1929 fanden elf Besitzerwechsel statt, ab da vermietete die Gemeinde Nannhofen das Gebäude, das auch als Armen- und Gemeindehaus genutzt wurde.

 

 

Petra und Florian Gerum ließen sich jedenfalls davon nicht abschrecken. Anfang Dezember 2024 starteten sie die umfangreichen Sanierungen, beginnend mit der Gebäudeunterfangung, einer neuen Bodenplatte, der Stabilisierung der Decken und des Daches. Viel Arbeit machten auch die Wände: Schicht für Schicht schabten sie sich durch Tapeten und zahlreiche Farbenschichten. Dabei legten sie auch eine Reihe von hübschen Schablonen- und Walzenmuster frei: Zwei Gutachter und ein Kirchenmaler begleiteten die Arbeiten und bewerteten die Funde.

 

Noch heute stehen Besuchern beim ersten Betreten Augen und Mund weit offen. Hell und modern präsentiert sich die Tenne. Das Erdgeschoss wird durch die verglasten Toröffnungen von Licht durchflutet.

Eine freischwebende Treppe führt unter das hohe Dachgeschoss, wo abgeschlossene Räume für diverse Nutzungen zur Verfügung stehen.

Überhaupt war das Denkmalschutzamt stets in die Arbeiten eingebunden. Wöchentlich stimmte sich die Familie mit den Mitarbeitern des Denkmalschutzes und den Baubehörden ab. Nur wenige Fenster durften ausgetauscht, die historische Front gar nicht verändert werden. Allein die Holztore durften durch große Glasfenster ersetzt werden. Selbst Höhenlagen und Neigungen von Hängen unterlagen der Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Bei den übrigen Gebäudeseiten war man flexibler: „Auflage war auf der Rückseite sogar, dass der Anbau modern sein muss, damit ersichtlich ist, dass er neu ist“, erklärt Petra Gerum.

 

Auch das Wohnhaus ist ein Schmuckstück geworden, neben dem originalen Steinfußboden wurden auch die Türen und die Treppe ins Obergeschoss erhalten und restauriert. Ein Blickfang ist das in der Stube eingelassene Wandschränkchen.

Ihre gesamte Familie war in die Sanierung eingebunden. Vieles erledigten sie selbst: Das Ausräumen zum Beispiel und Freilegen der Böden. Dabei entdeckten sie auch unter verfaulten Holzbrettern und PVC-Belägen die wunderschönen Solnhofener Platten, die selbstverständlich gereinigt und wiederverlegt wurden. Außerdem kam unter einem Holzboden eine weitere Überraschung zutage: etwa 120 Jahre alte Fotografien der einstigen Eigentümer!

 

Das originale Sichtmauerwerk und zum Teil originale Balken sind erhalten und bilden einen wunderschönen Kontrast. Ebenso wie die moderne offene Küche und eine Reihe von Sitzplätzen.

Tatkräftig wurden die Bauherren von Handwerksbetrieben aus der Region unterstützt. Wie dem Fachbetrieb Malermeister Metsch aus Adelshofen. Oder der Firma Daubner aus Mammendorf, die sich um Heizung und Sanitär kümmerten. Das digitale Aufmaß durch 3D Laserscan erledigte das Unternehmen mios3D von Michael Ostermeier aus Moorenweis. So war bereits nach zehn arbeitsreichen (und nicht selten nervenaufreibenden) Monaten das „Wunder“ geschafft: Im Oktober 2025 wurde Einweihung gefeiert. Dass hier auch ein Café in Betrieb gehen würde, war bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht geplant. „Das war eine spontane Entscheidung – und eigentlich bietet sich das doch an, oder?“, sagt die innovative Hausherrin und recht hat sie.

 

Ohne Fleiß kein Haus: Ab Mai war Florian Gerum, selbständiger Dachdecker und Spengler (Dachbau Mammendorf), fast jede Nacht in dem alten Einfirsthof beim Arbeiten. Tagsüber unterstützt auch von seinen beiden Buben und angespornt von seiner Frau Petra, deren Visionen sich zu rund 70 Prozent verwirklichen ließen. „Und die restlichen 30 Prozent sind sogar noch besser geworden“, sagt sie stolz. 

Inzwischen ist auch die Terrasse in Betrieb und der Garten angelegt. Die Hackschnitzelheizung befindet sich derzeit im Bau. Daran werden auch die Nachbarn angeschlossen – auch das spiegelt das Selbstverständnis der Familie wider: Sie haben das Haus nicht für sich allein saniert. Es steht allen „demokratisch Gesinnten“ (Petra Gerum) offen – für Teamevents, Veranstaltungen, Meetings, Feiern, Workshops oder einfach als Treffpunkt zum Ratschen und Entspannen.… Petra Gerum strahlt. Dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat, steht für sie außer Frage. „Das Schönste für mich ist, dass unser Lebensgfui von so vielen Menschen angenommen und geschätzt wird.“

www.lebensgfui.org

Auch mittags ein Genuss!

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Blick in den Nachbarlandkreis

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