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Pfaffenhofen

Pfaffenhofen

Fotos: Simon Katzer Text: Petra Neumaier

 

Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein in dem kleinen Ort Pfaffenhofen. So still ist es an diesem Vormittag. Sanft streichelt der Wind die langen Zweige der mächtigen Hängeweide am Dorfweiher, während sich das hübsche Entenhäuschen im Wasser spiegelt. In Zeitlupe schweben kleine Fische zwischen den Seerosen, die hier und dort auch eine letzte Blüte zeigen. Alfons Schlecht nickt zufrieden. „Schön ist's bei uns“, sagt er dann, um ganz schnell noch hinzuzufügen, dass hier eigentlich immer etwas los ist. „Wenn man Interesse an seinem Ort hat.“ Und das haben hier sehr viele Bewohner.

 

Oben Mammendorf, unten Jesenwang. Links Adelshofen, rechts Aich. Und mittendrin zwischen Wäldern und Feldern: Pfaffenhofen – fast mittig zumindest. Ein winziger Bach, der Erlbach, rahmt das Dorf im Westen ein. 204 Einwohner, 86 Haushalte. Drei Reitställe mit insgesamt rund 100 Pferden. Ein Kaugummi- und ein Zigarettenautomat. Bei einem Bauern gibt es frische Eier, heißt es. „Aber innerhalb von drei bis vier Kilometern bekommt man alles, was man braucht“, sagt der 68-Jährige. Sogar Strom: Demnächst geht am Ortsrand eine überraschend große private Acri-Photovoltaikanlage in Betrieb. 225 Haushalte kann sie versorgen!

 

Die rund 800 Meter lange Dorfstraße, von der nur fünf kurze Wege abzweigen, ist flankiert von überwiegend alten Bauernhäusern. Mal hübsch saniert, mal auf dem besten Weg dorthin. Andere müssen mit ihren maroden Holzscheunen in absehbarer Zeit modernen Doppel- und Einfamilienhäusern weichen. Rund 30 neue Einwohner werden erwartet. Junge Familien, hofft Alfons Schlecht, denen das Stadtleben zu stressig ist. „Hier hat man seine Ruhe. Und wenn man Action will, hat man es nicht weit.“

 

Stimmt. Denn der gesellschaftliche Mittelpunkt am nördlichen Rand des Dorfes ist nur ein paar Schritte entfernt. Im dünnen Schatten des großen Maibaums befinden sich das kleine Feuerwehrhaus (1997 bezogen) sowie das Bürgerhaus. Das vor 26 Jahren umgebaute, ehemalige Rathaus ist Schauplatz diverser „Action“: Feste, Frühschoppen, Theateraufführungen sowie monatliche Schafkopfabende. Gleich gegenüber dem Jagdstadel befindet sich unter schattenspendenden Bäumen ein weiterer Treffpunkt: die Stockbahn. Mindestens einmal in der Woche wird gespielt, der von Mitgliedern betriebene Ausschank ist dann selbstverständlich geöffnet. „Früher“, erinnert sich Alfons Schlecht, „traten die aktiven Mannschaften in hohen Ligen an. Dann beschlossen sie, nur noch zum Spaß zu spielen“, erzählt der ehemalige zweite Bürgermeister von Jesenwang.

 

Alfons Schlecht ist neben vielen Ehrenämtern in Vereinen und der Lokalpolitik auch seit 1993 Kirchenpfleger im Ort. Und nicht nur dort ist er aktiv. So pflegt er auch den hübschen Dorfweiher und organisiert dort im Rahmen des Ferienprogramms für Kinder das jährliche Sautrogrennen. Als im Mai dieses Jahres wegen Bauarbeiten die Straße gesperrt wurde und der Schulbus den Ort nicht anfahren konnte, setzte sich der Ehrenkommandant eben selbst ans Steuer des Feuerwehrautos und fuhr die fünf Kinder an elf Tagen zur Grundschule nach Jesenwang und wieder nach Hause.

Nicht müde wird er, die intakte Dorfgemeinschaft hervorzuheben. Zuletzt 2025, als die 170 Jahre alte Orgel saniert werden musste: Den gesamten Betrag von 17 000 Euro spendete eine Familie aus Pfaffenhofen. „So geht das hier immer: Wird was gebraucht, muss was gemacht werden, sind die Bewohner da.“ So auch vor 26 Jahren, als die Sanierung der Kirche selbst überfällig war. Flugs gründete sich ein Förderverein, der auch Spenden sammelte: 180 000 Euro allein für die Innenrenovierung. Alfons Schlecht blickt zuversichtlich zum Kirchturm hinauf, in dem die älteste Glocke aus dem Jahr 1612 noch läutet. „Nächstes Jahr müssen wir wieder runterweißeln“, sagt er dann und weiß, nicht lange um Unterstützung bitten zu müssen.

 

Ist doch die Kirche St. Georg das Herz von Pfaffenhofen und ein kleines Juwel: von außen hübsch anzusehen und von innen sowieso. Strahlend weiße Ornamente bilden den Himmel des zart barocken Kirchenschiffs, aus denen hier und da ein Engelsköpfchen hervorlugt. Ein Haupt- und zwei Seitenaltäre bilden den beeindruckendsten Blickfang. Neben dem linken Seitenaltar hat Alfons Schlecht dicke Ordner deponiert. Hier hat er detailliert die Geschichte der Kirche dokumentiert, die bis ins Jahr 1315 zurückreicht. „Wenn Menschen informiert sind, sind sie auch eher bereit, etwas zu spenden“, sagt er verschmitzt.

 

Und noch etwas steht nächstes Jahr an: die Dorferneuerung. Dann werden die Gehwege gepflastert, der Teich bekommt eine Kneippanlage und der Vorplatz der Kirche wird erneuert. Die Zeit bleibt also doch nicht stehen in dem kleinen Ort Pfaffenhofen.

 

Steckbrief Pfaffenhofen

LAGE Zwischen Jesenwang und Mammendorf. 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde nach Jesenwang eingegliedert.

NAMENSHERKUNFT „Hof eines Pfarrers“

ERSTE URKUNDLICHE ERWÄHNUNG Im Jahr 980. 1142 Teil der Fuggerschen Hofmark Adelshofen. 1314 Übertragung durch den Freisinger Bischof Gottfried der Pfarrei Jesenwang mit den dazugehörigen Gütern und Rechten – darunter auch das „Hofgut Pfaffenhofen“ – an das Zisterzienserkloster Fürstenfeld.

EINWOHNER 204

SEHENSWÜRDIGKEITEN Kirche St. Georg, bei schönem Wetter bis zum Einbruch der Dunkelheit frei zugänglich. Gottesdienst einmal im Monat in der Woche, sowie einmal im Monat am Sonntag.

AUSFLUGSTIPPS Sehr schöne Wanderwege durch Wälder und über Felder Richtung Adelshofen, Mammendorf und Jesenwang; Flugplatz Jesenwang

EINKEHRMÖGLICHKEITEN Jesenwang: „Numahal“ (indisches Restaurant, Landsberger Straße 1; Restaurant „Fly In“ (Flugplatz)

ANBINDUNG ÖFFENTLICHER NAHVERKEHR Buslinien 822, 823, 829 und 8200

 

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