FRÄULEIN MÜLLER UND IHR GESPÜR FÜR KARTOFFELN

FRÄULEIN MÜLLER UND IHR GESPÜR FÜR KARTOFFELN

Die Ernte ist ihre Lieblingszeit. Wenn die Maschine über das Feld oberhalb von Alling brummt und gelbe, lila und rosafarbene Kartoffeln aus der schweren Erde klaubt. Dann strahlen die blauen Augen von Katharina Müller und in Gedanken packt sie schon per Hand ihre bunte Kartoffelmischung in robuste Papiertüten, bappt ihr Label drauf und freut sich über glückliche Kunden. Die 33-jährige Kommunikationswissenschaftlerin und Wirtschaftspsychologin ist seit einem Jahr in ihrer Heimat leidenschaftliche Nebenerwerbslandwirtin. Mit kulinarischen Plänen.

Die Geschichte des elterlichen Hofes in Alling geht bis zum Ende des 14. Jahrhunderts zurück. Er trägt die Hausnummer 1 und ist fast so alt wie die Kirche am Ort. Bis 1991 betrieb die Familie neben der Landwirtschaft sogar eine Gastwirtsschaft. Stiere, Schweine, der Haflinger vom Opa und Hühner, damit wuchs das Mädchen auf. 50 Hektar Feld und Wald galt es außerdem zu bewirtschaften. Viel Arbeit, und durch die Abhängigkeit von Preisen und Wetter zunehmend schwerer finanziell kalkulierbar! In den 1990-er Jahren strukturierte der Vater deshalb um. Angebaut wird seitdem Bio, die Stiere räumten den Stall und machten Platz für Mieter. Die drei Kinder sollen eine gute Ausbildung erhalten. Für dieses Privileg ist Katharina Müller noch heute dankbar.

Nach dem Abitur machte sie eine Banklehre, studierte Kommunikationswissenschaften und Wirtschaftspsychologie (Master), ging ins Marketing und in den Personalbereich. Ihre bäuerliche Herkunft („als Kind wurde ich deswegen oft in der Schule gehänselt“) ist in der Stadt plötzlich toll. „Die Kollegen waren begeistert“, erzählt Katharina Müller stolz, „und wenn ich etwas von zu Hause mitbrachte, standen sie Schlange!“

Als nach ein paar Jahren in München die „Sinnfrage“ auftauchte, entschied sich Katharina Müller für eine Ausbildung für nebenberufliche Landwirte: Zwei Jahre studierte sie neben der Arbeit in Abendkursen und Blocks! 2017 war der Abschluss. In einem Pflanzgutkatalog hatte Katharina Müller da schon die bunten, alten Kartoffelsorten entdeckt. Sie bestellte einen 25 Kilogramm Sack, legte „und auf den Schlag hatte ich die Hütte voller bunter Kartoffeln.“

Die Nachfrage ihrer handsortierten, bunten Mischungen ist im Kollegenkreis groß. Und als Katharina in der Intendanz der Bayerischen Staatsoper arbeitet und vom Chauffeur des Chefs stets „Fräulein Müller“ genannt wird, ist die Marke geboren: Eine Freundin gestaltet das Label für die Kartoffeltüten, die bislang in einem kleinen Laden in München und bei Idee & Wohnen in Alling verkauft werden.

Dass ihre Bio-Kartoffeln so geschätzt werden, macht Katharina Müller glücklich. Und spornt zu weiteren Taten an: Ihre bunten Gnocchi sind schon in der Probephase ein Renner. Und von den Kartoffel-Lebkuchen, die im Winter eigentlich nur eine Dreingabe waren, musste sie gleich 800 Stück backen! „Die Sehnsucht nach besonderen Produkten ist hoch“, stellt die hübsche junge Frau fest, die es liebt zu kochen und zu backen und deshalb auch eine Vision hat: „Alles aus einer Hand: vom Roh- bis zum Fertigprodukt.“  Katharina Müller lacht. „Da steckt wohl auch noch das Wirts-Gen in mir.“  

Petra Neumaier

 

Gelb, Lila, Rosa – und alle schmecken unterschiedlich und eine jede Sorte hat seine Liebhaber: Katharina Müller liebt jede Kartoffel. In Kooperation mit dem Bio-Landwirt Andreas Hatzl in Esting werden die Sorten auf ihrem Feld gelegt und geerntet. Weil Bio, muss die Nebenerwerbslandwirtin die Pflanzen engmaschig auf Kartoffelkäfer und Fäule kontrollieren. Einen Teil der Ernte vermarktet sie direkt, der andere geht in den Großhandel.

 

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