KINO, KINDER UND DIE KUNST

KINO, KINDER UND DIE KUNST

Die Schwarz-Weiß-Fotografie an der Wand des Foyers ist Petra Löws Lieblingsbild. Vorsichtig hängt sie es ab und betrachtet es liebevoll. Gut gelaunt strahlen ihr die „Ramadama“ Schauspieler Dana Vávrová und Werner Stocker, der Regisseur Joseph Vilsmaier und ihre Eltern, Ludwig und Christl Mair entgegen. „Bis auf Vilsmaier sind alle tot“, sagt Petra Löw ernst, die sowohl das Andenken als auch das Gröbenzeller Familienunternehmen in dritter Generation am Leben und in Ehren erhält. Seit 68 Jahren flimmern in den „Gröbenlichtspielen“ aktuelle und außergewöhnliche Filme auf der einzigen Leinwand und damit beweist die engagierte Geschäftsfrau: Das Kino lebt!

 Als letztes Kino in Deutschland führten die Gröbenlichtspiele Popcorn ein. „Mein Vater war immer dagegen, weil es so viel Dreck macht. Dabei ist es sehr pflegeleicht“, schmunzelt Petra Löw.

Als letztes Kino in Deutschland führten die Gröbenlichtspiele Popcorn ein. „Mein Vater war immer dagegen, weil es so viel Dreck macht. Dabei ist es sehr pflegeleicht“, schmunzelt Petra Löw.

An der Wand hängen auch mehrere Urkunden. „Den Gröbenlichtspielen wird im Jahr jeweils eine Premiere zuerkannt.“ Eine Anerkennung des Filmfernsehfonds Bayern (FFF) für „ein qualitativ hervorragendes Jahresfilmprogramm“. Die Auswahl der Filme ist Petra Löw mindestens so wichtig wie das Ambiente und der Erhalt des schmucken Kinos. „61 Kinofilme hab ich heuer schon gesehen“, (Stand August) erzählt sie stolz und fast alle sieht sie in ihrem eigenen Kino an.

Petra Löw nimmt ihr Erbe ernst und die Liebe zum Kino sowieso. Das liegt sicherlich begründet in der Familiengeschichte, die Ende der 50er-Jahren beginnt: Der Großvater, Ludwig Mair sen., 16. Kind von 18 aus Unterschweinbach, heiratet in eine der ältesten, Gröbenzeller Familien (Schwörer) ein. Er pachtet die damalige Bahnhofswirtschaft (heute Hexe), ein großes Haus mit einem riesigen Saal, der lange der Mittelpunkt des gemeindlichen Lebens sein wird. Petra Löw erzählt: „Es gab einen Balkon um den ganzen Raum, wie in einem Theater. Im Saal fanden viele große Faschingsbälle statt.“ Weil es noch keine Turnhalle gibt, wird hier auch Handball und Tischtennis gespielt. Außerdem stellten Vereine Vögel und Kaninchen und Künstler ihre Bilder aus.

 Petra Löw setzt sich am liebsten in die fünfte Reihe. „Da sieht man ganz wunderbar.“ Persönlich mag sie Horrorfilme gar nicht, „da traue ich mich nicht mehr in den Keller!“

Petra Löw setzt sich am liebsten in die fünfte Reihe. „Da sieht man ganz wunderbar.“ Persönlich mag sie Horrorfilme gar nicht, „da traue ich mich nicht mehr in den Keller!“

Ein paarmal im Jahr kommt auch der fahrende Filmvorführer vorbei. „Dann war der Andrang riesengroß“, erzählte der Großvater der Enkelin, der später zweiter Bürgermeister wurde. Weil Fernseher eine Rarität sind, der Bedarf an heiterer Unterhaltung in den grauen und kargen Nachkriegsjahren groß ist, schießen zu dieser Zeit Kinos wie Pilze aus dem Boden. Auch im Landkreis Fürstenfeldbruck (siehe Tabelle). Ludwig Mair sen. hat ein Grundstück nahe der Durchgangsstraße und außerdem 600 Schafe. Kurzerhand verkauft er einen Großteil und hat den finanziellen Grundstock für den neuen Kinosaal.

 

1950 ist erfertig. Welcher Film zur Eröffnung lief, kann Petra Löw nicht sagen – nur an ihre ersten Kinofilme erinnert sie sich. „Winnetou“, „Die Lümmel von der ersten Bank“ und „Bambi“ („da hab ich nur geheult“). Im Vorführraum schaut sie auch heimlich den „Exorzisten“ an – „danach hatte ich total Panik, mich aber nicht getraut, meinen Eltern was zu sagen“, lacht Petra Löw, die mit dem Kino aufwächst. Ein Fernseher kam erst 1972 ins Haus und nur wegen der Olympiade in München und weil der Vater ein großer Sportfan war. Die Flimmerkiste auch später in der Familie eine sehr untergeordnete Rolle. „Mein Sohn hat heute noch keinen Fernseher“, sagt die zweifache Mutter.

 

Bereits 1955/56 übernimmt ihr Vater, Ludwig Mair jun., das Kino, das damals täglich spielt: Freitag, Samstag, Sonntag und Montag ein Film, Dienstag und Mittwoch ein anderer. Am Donnerstag ist die „Auslese“. Wenn Fürstenfeldbruck einen aktuellen Film abgesetzt hatte, bekommt ihn Gröbenzell. Damit ist das kleine Kino immer noch schneller als das nächstgelegene Kino in München. „Die waren oft drei Monate später dran als wir.“ Wer im Westen der Stadt also einen Film früher sehen wollte, fährt nach Gröbenzell oder in die Innenstadt.

 

Dann werden die Verleih-Modalitäten verändert, der Fernseher läuft dem Kino den Rang ab und der Vater beschließt, durch Umbau die Gröbenlichtspiele attraktiver zu machen: 1977/78 ist es soweit: Alle Plätze bekommen Polster, die Reihen werden gelichtet. Es gibt etwas mehr Platz und eine neue Ton-Technik auch. 1978 öffnet sich der schwere, grüne Samtvorhang vor der Leinwand mit der „Blechtrommel“. „Und ab da lief es wieder besser.“

 

Die Lampen, die Türen: Sie sind noch Originale. Auch der große Spiegel an der Wand. Der mit seinen 70 Jahren langsam blind wird. Als ihr Vater 2006 stirbt, übernimmt Petra Löw, die bereits 1990 das Kino in Gilching übernommen hatte, das Familienunternehmen. Die innovative Frau ist ja mit Kino aufgewachsen. Schon als Kind musste sie hier viel mithelfen. Parkplatz kehren, Saal putzen, Platz anweisen. „Als kleines Mädel war das eine sehr undankbare Arbeit, weil man leicht übersehen und selten ernst genommen wurde“, erinnert sie sich. Mit 14 Jahren machte sie schon Vertretung, wenn ihre Eltern in den Urlaub fuhren. Vielleicht wollte sie deshalb auch nie ein Kino haben, lernte nach dem Fachabitur Technische Zeichnerin und arbeitete auch in ihrem Beruf. „Aber es hat sich so ergeben“, sagt sie, weil es eigentlich optimal sei, mit Kindern und einem Büro zu Hause.

 

Petra Löw SK (16).jpg

2010 baut sie noch einmal um. Lagert die Toiletten aus, die sich noch im Saal befanden, richtet eine gemütliche Lounge ein und bringt die Vorführtechnik auf den neuesten Stand. „Ich mach Kino bis an mein Lebensende“, verspricht sie und freut sich schon auf die Filmkunstmesse in Leipzig, wo sie heuer das erste Mal Zeit hat, hinzufahren. Kinofilme vor allen anderen und so viele sie mag anschauen zu dürfen, ist für sie keine Pflicht. Es ist ein großes Privileg und ein ebensolches Vergnügen. Und im Laufe der Jahre hat sie auch ein sicheres Gespür dafür bekommen, was ihrem Publikum gefällt, wagt den einen oder anderen Außenseiter oder Dokumentarfilme, zu denen auch mal der Regisseur kommt, und scheut sich in den Auslesen auch an schwierige Themen heran. Obwohl sie weiß, dass die Mehrheit der Besucher im Kino nichts „Anstrengendes“ sehen will. Es sei denn, Organisationen wie der BUND laden dazu ein. „Dann kommen auch Leute von weit her nach Gröbenzell.“

 

Ehemalige Kinos im Landkreis Fürstenfeldbruck

 

Eichenau:

Centrallichtspiele, Roggensteiner Allee 49, 1949 bis circa 1960     

Lichtspiele, Roggensteiner Allee 45, 1926 bis unbekannt

Park-Lichtspiele, Olchinger Str. 32, 1952 bis etwa 1962

Fürstenfeldbruck:

Amper Lichtspiele, Bullachstr. 2, 1950 bis 1989     

Brucker Kino (Lichtspiele), Hauptstr. 14, 1912 bis circa 1930       

Capitol, Pucherstr. 7, 1957 bis circa 1985         

Luxor-Horst Lichtspiele, Fliegerhorst          

Mozart-Lichtspiele, Bismarckstr. 18, 1952 bis unbekannt

Germering:   

Centraltheater, Bahnhofstr. 51, 1955 bis unbekannt

U-Lichtspiele, Unterpfaffenhofen, Bahnhofsplatz 4, etwa 1950 bis 70er / 80er-Jahre      

Universum, Landsberger Str. 39, 1993 bis 2014

Grafrath:

Amper-Lichtspiele, Wildenroth 31, 1951 bis Anfang der 60er-Jahre

Postlichtspiele Unteralting, bis 1951

Amper-Lichtspiele Wildenroth, 1952 bis Anfang der 60er-Jahre

Maisach:

Filmtheater am Bahnhof, Aufkirchner Str. 8, 1955 bis 1973

Prinzess Lichtspiele, Estinger Str. 6, Datum unbekannt

Mammendorf           

Luna, Bahnhofweg

Olching:

Olchinger Lichtspiele, Hauptstr. 60, 1948 bis 1958

Central, Hauptstr. 2, 1950 bis 1970

Puchheim:

Filmtheater, Alpenstr. 2 (Anfang der 50er-Jahre bis Anfang 60er-Jahre)

Türkenfeld:

Melodie

Quelle: www.allekinos.com

 

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