Der Aicher und die Bienen

Der Aicher und die Bienen

Wenn Anfang März die Weiden zu blühen beginnen , geht die Arbeit bei Christian Engelschall wieder richtig los. Dann reinigt der einzige Berufsimker des Landkreises nicht nur die Gitterböden, er schaut sich auch genau seine Völker an, versorgt sie liebevoll mit frischen Waben und ja, er streichelt sogar seine fleißigen Arbeiter vorsichtig über die Rücken. Der gelernte Schreiner aus Aich liebt die kleinen Insekten und er liebt Honig. Obwohl es ein Kampf ist, den er täglich für seine Bienen führt. Ein Kampf gegen versiegende Nahrungsquellen, Pestizide, Milben, Bakterien, Discounterpreise und sogar Diebe.

 

Sein Hof ist eine Augenweide. Picobello sind die Scheunen, herrlich der blühende Garten mit herumhoppelnden Kaninchen und knorrigen Obstbäumen. Seine Familie, sagt Christian Engelschall, war schon immer hier in Aich, und mit „immer“ meint er mehr als vier Generationen. Zweimal sei in den vergangenen Jahrhunderten das Bauernhaus abgebrannt. Zuletzt schlug er selbst alte Ornamente aus dem Putz und verwandelte es wieder zu dem heutigen Schmuckstück aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts. Ackerbau war der Hauptbetrieb der Familie. Doch wo früher Getreide und Gemüse in Reih und Glied wuchsen, blühen jetzt bunte Blumen.

 

Sechs Monate im Jahr ist Hochsaison im Bienenhonigjahr – aber auch in der restlichen Zeit ist Christian Engelschall mehr als genug beschäftigt. Ständig muss er zum Beispiel die Beuten kontrollieren. Zwar liefern inzwischen Sensoren wichtige Informationen über Handy und Computer. Seine eigenen Augen sehen aber mehr.    Als Behandlungsmittel gegen Infektionen verwendet Christian Engelschall nur natürliche ätherische Öle. Die Zufütterung im Winter wird außerdem mit Bio-Zucker von „Unser Land“ hergestellt.

Sechs Monate im Jahr ist Hochsaison im Bienenhonigjahr – aber auch in der restlichen Zeit ist Christian Engelschall mehr als genug beschäftigt. Ständig muss er zum Beispiel die Beuten kontrollieren. Zwar liefern inzwischen Sensoren wichtige Informationen über Handy und Computer. Seine eigenen Augen sehen aber mehr.

Als Behandlungsmittel gegen Infektionen verwendet Christian Engelschall nur natürliche ätherische Öle. Die Zufütterung im Winter wird außerdem mit Bio-Zucker von „Unser Land“ hergestellt.

Denn als der Schreiner 2009 den landwirtschaftlichen Familienbetrieb übernimmt, will er etwas anderes machen: Äpfel oder Holunder. Aber dann beobachtet er die Bienen und wie sie von Blüte zu Blüte fliegen und ist begeistert. Er liest Bücher, findet einen Paten. Schafft sich zwei Bienenvölker an und verliert in den ersten fünf Jahren keines. Motiviert macht Christian Engelschall die Ausbildung zum Tierwirt, Fachrichtung Imkerei. 250 Völker hat er da. Zentnerweise Honig schleudert er zu den Erntezeiten aus den Waben. Am Tag und in der Nacht. Mehrfach filtern, abfüllen, ständig putzen und schrubben und schleppen – allein ein Bienenkasten bringt bis zu 25 Kilogramm auf die Waage: Seine Wirbelsäule macht das nicht lange mit. Christian Engelschall, Vater von drei kleinen Kindern, ist lange im Krankenhaus, verliert in dieser Zeit nicht nur fast die Hälfte seiner Stöcke, sondern auch noch seine Mutter, die ihn in der Imkerei unterstützt hatte.

 

Aufgeben? Der Hüne schüttelt den Kopf. Er zimmert neue Holzbeuten (Bienenkästen) und  Rahmen und taucht tiefer in die Materie Honig ein. Will noch besseren, noch reineren Honig in Bio-Qualität. Die Waben tauscht er deshalb ständig aus, reinigt selbst akribisch das Wachs („dann kann ich sicher sein, dass keine Chemie drin ist“), bis es wieder sonnengelb ist und gießt neue Waben. Seinen rund zehn Millionen Bienen soll es gut gehen.

 

Bio-Honig vom Discounter? Christian Engelschall schüttelt den Kopf. Selbst hier ist die Herkunft nicht genau deklariert und die Herstellung ist fraglich, zumal wenn er immer gleich schmeckt. Echter Honig ist wie guter Wein: „Jedes Jahr schaut er anders aus und schmeckt ein bisschen anders. “

Bio-Honig vom Discounter? Christian Engelschall schüttelt den Kopf. Selbst hier ist die Herkunft nicht genau deklariert und die Herstellung ist fraglich, zumal wenn er immer gleich schmeckt. Echter Honig ist wie guter Wein: „Jedes Jahr schaut er anders aus und schmeckt ein bisschen anders.

20 Stunden Arbeit pro Tag: In der Erntezeit ist das von Montag bis Sonntag normal. Und sehr anstrengend. Dazu kommt das viele Bienengift: Die großen Hände von Christian Engelschall sind mit schwarzen Punkten übersät. Einstiche! Gleichgültig zuckt er mit den Schultern. Allergisch ist er nicht, die Menge des Giftes belastet trotzdem den Kreislauf. „Ich mag keine Handschuhe“, sagt der 41-Jährige, weil er dann mehr Gefühl für die Bienen hat. Und es gibt ja Tage, wie diesen, an denen er nicht gestochen wird. Wo er die Waben aus dem Kasten herausziehen und die kleinen Krabbeltiere streicheln kann. Seine Augen leuchten.

 

Das Surren der Schleuder, der Anblick des hinausfließenden goldgelben Honigs: Christian Engelschall vergisst bei diesem Anblick für einen Moment die viele Arbeit. „Das ist einfach nur schön“, schwärmt der Imker, der früher ein Jahr lang in einem Lager gearbeitet hatte – unter künstlichem Licht mit genervten Menschen. „Ich bin froh, wieder in der Natur zu sein.“

Das Surren der Schleuder, der Anblick des hinausfließenden goldgelben Honigs: Christian Engelschall vergisst bei diesem Anblick für einen Moment die viele Arbeit. „Das ist einfach nur schön“, schwärmt der Imker, der früher ein Jahr lang in einem Lager gearbeitet hatte – unter künstlichem Licht mit genervten Menschen. „Ich bin froh, wieder in der Natur zu sein.“

Christian Engelschall hat gerade die Ausbildung zum Imkermeister abgeschlossen. Und er hat viele Pläne. Führungen will er anbieten. Bei ihm kann jeder schauen, in den Produktionsraum, wo Schleuder und Filter stehen, in die Werkstatt, wo er das Wachs reinigt und neue Waben presst. Transparenz ist ihm wichtig. Und noch mehr Kindergärten und Schulen will er künftig besuchen. Erzählen von den Bienen und dem leckeren Honig, den tatsächlich viele Kinder noch nie kosten durften – oder der ihnen jetzt viel besser schmeckt. Ein frisches Bauernbrot mit Bio-Butter und sein goldgelber Honig – Christian Engelschall strahlt: „Da fallen viele schon beim ersten Bissen vom Himmel.“ Petra Neumaier

 

 

Christian Engelschall betreibt auf seinem Hof einen kleinen Laden und ist auf dem Fürstenfelder Bauernmarkt zu finden.

 

Ein ganzes Bienenjahr – im Schnelldurchlauf

 

Das neue Bienenjahr beginnt zur Sommersonnenwende am 21. Juni: Die Bienenvölker haben ihren Höhepunkt erreicht, die Tage werden kürzer, die Legeleistung der Königin nimmt ab und die Bienen fangen an, sich auf den Winter vorzubereiten. Zwischen dem 4. und 15. Juli nimmt Christian Engelschall die Honigräume ab. Im Schleuderraum werden die Waben entdeckelt und geschleudert. Der ausfließende Honig wird gesiebt und zur Klärung in Edelstahlfässer gefüllt. Nach zwei Tagen schwimmt an der Oberfläche, was nicht in den Honig gehört und der Imker kann den klaren Honig in die Lagerbehälter abfüllen. Die Jungvölker werden derweil laufend mit Futter versorgt, sie sind „die Rennpferde“ für das nächste Jahr. Da der im Volk belassene Honig für den Winter nicht reicht, wird der Rest mit Zucker aufgefüttert. Im Spätherbst stellen die Bienen ihren Flugbetrieb ein und warten in ihrer Wintertraube mit der Königin bei etwa 20 Grad auf die Wintersonnenwende am 21. Dezember. Einige Völker fangen dann wieder an zu brüten. Mit Frühlingsbeginn werden die ersten Pollen von Haselnuss, Schneeglöckchen und Krokus eingetragen, der viel Eiweiß und Mineralien enthält und den die Bienen für ihre Brut brauchen.

 

 

Etwa 350 Hobby- und Nebenerwerbsimker gibt es im Landkreis Fürstenfeldbruck. Rund 185 sind im Brucker Imkerverein organisiert und besitzen über 1300 Bienenvölker. www.bruckerimker.de

 

COOLE KINDER KOCHEN

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Biene ohne Stachel

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