Menschen im Landkreis

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Gitte Berner-Lietzau

Die Vielsichtige

Mit Asche fängt sie an. Weil sie sich nicht strukturieren lässt, wie eine Paste. Die „Zufälligkeit“ interessiert Gitte Berner-Lietzau, wenn sie die Asche aus dem Holzofen, der das kleine Atelier wärmt, siebt, mit Wasser und Binder vermischt und auf die Leinwand aufträgt: schauen, kratzen, schauen, malen, schauen ... Schicht für Schicht. Bis die Künstlerin sieht, was sie bannt und so lange herausarbeitet, bis es passt. Meist sind es Gesichter. Melancholische Gesichter, „weil sie mehr Fragen stellen als ein Lächeln“, sagt die 49-Jährige, die selbst gerne lächelt. Geboren in Gera, arbeitete sie als Krankenschwester in München, machte nebenbei viele Ausbildungen (Heilpraktiker, TCM ...), malte wenig und hatte viel Stress – und Rückenschmerzen. Das Studium zur Kunsttherapeutin brachte sie „in den Fluss“. Zwei Kinder, 2009 der Umzug nach Grafrath: Zwei Jahre später beginnt Gitte Lietzau wieder zu malen, stellt 2016 erstmals aus und freute sich, wie viele Leute an ihren Bildern  interessiert sind. Sie selbst fühlt sich noch nicht dort, wo sie sein möchte. Also experimentiert sie weiter, bis sie ankommt: In der Tiefe von Materialien und Aussagen, die so vielschichtig sind, wie die Künstlerin selbst. www.gittebernerlietzau-kunstliebe.com

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Helmut Zierer

Der Kriegserinnerer

Es ist nicht viel, was von seinem Großvater geblieben ist. Ein Bildchen als Soldat, eine Todesanzeige und vor allem ein Zitat: „I‘ scheiß aufs Kalberl und aufs Deandl“, hatte wohl Johann Spies gesagt, als er Fronturlaub hatte und von den Geburten erfuhr. Helmut Zierer, Sohn des verwünschten „Deandls“, schüttelt seinen grauen Kopf. Fast sein ganzes Leben lang hat er den Opa, der im Ersten Weltkrieg mit 38 Jahren den „Heldentod“ starb, wegen der lieblosen Äußerung verachtet. Bis eine Postkarte aus dem Jahr 1916 auftaucht, die einen ganz anderen, einen liebevollen Menschen zeigt. „Was hat der Krieg aus ihm gemacht“, fragt sich der Schriftsetzer und Geschichtsinteressierte. Und so folgt er der Spur des Opas und der Historie. Sein Buch: „Ein Bauernopfer für den Größenwahn des Kaisers“ beleuchtet nicht nur die Hintergründe des Krieges, es klagt auch an wegen „grob-fahrlässiger Tötung meines Großvaters“. Und es zieht unerwartete Kreise. Medien berichten, sogar ein Filmteam aus England kommt. „Das war der Hammer!“, sagt der 78-Jährige stolz. Der ehemalige Stadtrat wünscht sich, dass sein Buch gelesen wird. Denn er hat sich noch immer nicht mit dem Ersten Weltkrieg ausgesöhnt, der ihm den Großvater nahm. Mit ihm selbst hat Helmut Zierer längst Frieden geschlossen.

Sabine Hartl

Die Erlebnisbäuerin

Der Bauernhof ist wie aus dem Bilderbuch, wo auf dem Feld der grüne Traktor in der feuchten Erde rattert, wo Pferde mit den Hufen scharren, Hasen im Heu schnuppern, neugierige Katzen ihre Runden drehen, Bullen ihr Futter schmatzen und unter den Apfelbäumen sogar Alpakas grasen. Und picobello ist die kleine Oase inmitten der Felder zwischen Esting und Emmering. Darauf ist Sabine Hartl mindestens genauso stolz wie auf den Zusammenhalt ihrer Familie. „Ohne sie würde es nicht gehen“, sagt sie. Damit meint die 33-jährige Mutter von zwei Kindern neben der Landwirtschaft mit Hofladen auch ihre Arbeit als Erlebnisbäuerin. Auf die Idee kam Sabine Hartl, weil an den Wochenenden viele Familien vorbeikamen, um sich die Tiere anzuschauen. „Warum daraus nicht ein weiteres Standbein machen?“, dachte sich die hübsche junge Frau und begann eine pädagogische Ausbildung. Seit 2018 führt Sabine Hartl Kinder und Jugendliche über ihren schönen Erlebnisbauernhof und bietet individuelle und auf den Lehrplan bezogene Lernprogramme an. „Damit Kinder sehen, dass die Milch nicht aus dem Tetrapack kommt und was zu welcher Jahreszeit wächst.“ Außerdem richtet sie auch tolle Kindergeburtstage aus. Basteln, Strohburg, Ponyreiten und Bulldog-Mitfahren inklusive.

Thomas Richthammer  Der Kaffee-Radfahrer  Man plaudert, man lacht – stehend, mit einer Tasse duftenden Kaffee in der Hand, mit Bekannten und Unbekannten und mitten auf dem Wochenmarkt in Eichenau. Sich treffen und auch mit Fremden ins Gespräch kommen ist für Thomas Richthammer, geboren im Ruhrpott und Sohn eines Bergmanns, das Normalste von der Welt. Darum freut sich der junggebliebene 66-Jährige auch so über sein gelungenes Projekt: Toms Radbar hat er es genannt und mit der steht er seit dem Frühling auf dem Marktplatz und voraussichtlich noch bei vielen anderen Anlässen auf dem Asphalt. Früher, und das ist erst ein gutes Jahr her, hatte der Eichenauer ein großes Fahrradgeschäft in München. Bevor er in den Ruhestand ging, baute er das E-Lastenfahrrad zu seiner mobilen Kaffeebar um. Unter dem Deckel verbergen sich Kaffeemühle und Maschine. Aufgeklappt wird der Aufbau zur Bar. Ab 7.30 Uhr steht der lustige Barista jetzt auf dem Markt und bringt Menschen bei einer Tasse seines Kaffees zusammen. Seine Rente absitzen, das käme für den aktiven Sportler, der sich auch im Asylhelferkreis engagiert, Spanisch lernt und zweimal in der Woche den Pausenverkauf in der Realschule Puchheim abwickelt, ja gar nicht in Frage. Verschmitzt funkeln seine Augen: „Und ich habe noch ganz viele weiteren Ideen.“

Thomas Richthammer

Der Kaffee-Radfahrer

Man plaudert, man lacht – stehend, mit einer Tasse duftenden Kaffee in der Hand, mit Bekannten und Unbekannten und mitten auf dem Wochenmarkt in Eichenau. Sich treffen und auch mit Fremden ins Gespräch kommen ist für Thomas Richthammer, geboren im Ruhrpott und Sohn eines Bergmanns, das Normalste von der Welt. Darum freut sich der junggebliebene 66-Jährige auch so über sein gelungenes Projekt: Toms Radbar hat er es genannt und mit der steht er seit dem Frühling auf dem Marktplatz und voraussichtlich noch bei vielen anderen Anlässen auf dem Asphalt. Früher, und das ist erst ein gutes Jahr her, hatte der Eichenauer ein großes Fahrradgeschäft in München. Bevor er in den Ruhestand ging, baute er das E-Lastenfahrrad zu seiner mobilen Kaffeebar um. Unter dem Deckel verbergen sich Kaffeemühle und Maschine. Aufgeklappt wird der Aufbau zur Bar. Ab 7.30 Uhr steht der lustige Barista jetzt auf dem Markt und bringt Menschen bei einer Tasse seines Kaffees zusammen. Seine Rente absitzen, das käme für den aktiven Sportler, der sich auch im Asylhelferkreis engagiert, Spanisch lernt und zweimal in der Woche den Pausenverkauf in der Realschule Puchheim abwickelt, ja gar nicht in Frage. Verschmitzt funkeln seine Augen: „Und ich habe noch ganz viele weiteren Ideen.“

Lieber gesund als krank

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Ein kulinarischer Streifzug durch den Landkreis

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