Weichenstellen fürs Leben

Weichenstellen fürs Leben

Foto: Simon Katzer

Text: Petra Neumaier

 

Karl-Dieter Bodack legt den Kopf in den Nacken. Die Blicke seiner hellen Augen streicheln die pastellfarbene Decke, die sich wie ein Baldachin schützend über ihm wölbt. Getragen von eckigen Säulen und unterbrochen von Nischen und Türen, die von der Eingangshalle in die hellen Klassenräume der Grundschule führen. Alles ist irgendwie anders in der Rudolf-Steiner-Schule. Die fröhlichen Farben, die entspannte Atmosphäre und die außergewöhnliche Architektur, die sich den Bedürfnissen der Schüler anpasst: Hier kuschlig für die Kleinen, dort strukturiert für die Großen. Karl-Dieter Bodack ist stolz. Zwar würde der anthroposophisch denkend und handelnde Ingenieur und Zug-Designer niemals behaupten, er allein sei für Schule verantwortlich. Doch hat der Gröbenzeller einen erheblichen Anteil daran.

 

Die Geschichte von Karl-Dieter Bodack füllt ein Buch. Das fertige Manuskript liegt sogar auf dem Wohnzimmertisch. „Ein Leben mit Spuren“ hat der 81-Jährige es genannt und darauf weisen auch die vielen Auszeichnungen hin, die er im Laufe seines Berufslebens erhalten hat: Wie den Deutschen Schienenverkehrspreis 2011, eine große Münze und natürlich auch das beleuchtete Modell des InterRegio, den er unter anderem auf die Schiene brachte.

 

Karl-Dieter Bodack, geboren in Stuttgart und aufgewachsen in Wanne-Eickel, ist gerade einmal 15 Jahre jung, als sein Vater den guten Schüler vom Gymnasium nimmt und in eine Lehrwerkstatt „steckt“. „Wer Ingenieur werden will, muss das von der Pike auf lernen“, hatte er gesagt. Für den Jugendlichen ist diese Entscheidung weichenstellend. Denn die Lehrwerkstatt ist eine waldorfpädagogische Einrichtung, die den Staatsschüler regelrecht „aus den Socken haut“. Die Zusammenarbeit, das ganze System: „Eine dolle Sache“, erinnert sich Karl-Dieter Bodack.

 

In der Abendschule macht er seine Fachhochschulreife, studiert Maschinenbau und in der Hochschule für Gestaltung in Ulm Design. Er bekommt ein Masterstipendium für Architektur, Maschinenbau und Sozialwissenschaften an der Universität in Berkeley, USA, arbeitet bei einem Forschungsprojekt der NASA mit und heuert, zurückgekehrt, bei der Deutschen Bahn an. Hier durchläuft der ambitionierte junge Mann während der Ausbildung alle Sparten – vom Lokführer bis hin zum Projektentwickler.

 

Geht nicht, gibt es für Karl-Dieter Bodack nicht. Weder beruflich, noch privat. Und so wird der dreifache Vater auch aktiv, als fast 100 Kinder keinen Platz mehr in den beiden Waldorfschulen in München bekommen, wo seine ältesten Söhne bereits unterrichtet wurden. In Gröbenzell findet er ein Grundstück und diplomatisch Mittel und Wege und viele Helfer, die Schule dort aufzubauen. Aus der provisorischen Holzbaracke von 1981 wird nur fünf Jahre später das außergewöhnliche Schulhaus, das ständig wächst und erst jüngst einen neuen Innenanstrich bekam: Karl-Dieter Bodack erstellte das Farbkonzept, seine Frau malte mit. Der Autor des Buches „Sich selbst entdecken – Andere verstehen, Schritte zu Selbstentwicklung und erfolgreicher Zusammenarbeit“ beweist: Wenn jeder etwas gibt und alle zusammenhelfen, ist alles möglich.  Petra Neumaier

 

Im Jahr 2001 wurde die Gröbenzeller Rudolf-Steiner-Schule zur UNESCO-Projekt-Schule ernannt. Auch darauf ist Karl-Dieter Bodack, einer seiner Gründer, sehr stolz.

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