Jetzt wird aufgeräumt!

Jetzt wird aufgeräumt!


Fotos: Corinna Eichberger-Renneisen – Text: Ariane Lindenbach, Petra Neumaier

Ob „Aktion saubere Landschaft“, Ramadama oder Rama dama: Hauptsache, es wird gemacht. Denn leider sterben Volltrottel, die ihre Abfälle einfach fallen lassen, nicht aus – wie jahraus jahrein an Straßenrändern, Feldwegen und öffentlichen Plätzen unschön zu sehen ist. Stets vor Ostern laden deshalb Gemeinden, Städte und Dörfer zu einem gemeinschaftlichen Frühjahrsputz ein, an dem sich erfreulicherweise auch viele Bürger beteiligen. GUSTL-Mitarbeiterin Ariane Lindenbach war im vergangenen Jahr in Gröbenzell und Puchheim dabei, Petra Neumaier in Hattenhofen. Anm. d. Red.: Die Bürgermeister Martin Schäfer (Gröbenzell), Norbert Seidl (Puchheim) und Franz Robeller (Hattenhofen) beenden offiziell ihre Amtszeit am 1. Mai – wollen aber trotzdem weiter an den Aktionen teilnehmen.

Am Eingang des Spielplatzes am Ascherbach geben Bauhofmitarbeiter Greifzangen, Handschuhe und Mülltüten aus. Auch der noch amtierende Bürgermeister Martin Schäfer ist da (zweiter von rechts).

Gemeinde Gröbenzell

Drei Grad, leichter Regen: Das Wetter lockt an diesem Samstag Mitte März vergangenen Jahres nicht wirklich nach draußen. Doch am Eingang des Spielplatzes am Ascherbach in Gröbenzell tummeln sich gegen 9.30 Uhr viele Kinder und ein paar Erwachsene. Dort verteilen gerade Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofs in orangefarbenen Westen Greifzangen, Handschuhe und blaue Müllsäcke. Es ist Rama dama, der alljährlich in und von vielen Kommunen organisierte Frühjahrsputz.

In der Gemeinde Gröbenzell und der Stadt Puchheim findet er am gleichen Tag statt, die Kommunen sprechen sich ab, was etwa an den Böhmer Weihern sinnvoll ist. „Wegen der Brutzeit der Vögel können wir es nicht später machen“, erklärt Martin Schäfer, der sich besonders freut, dass so viele Kinder gekommen sind. „Es ist gut, wenn sie ihre Eltern motivieren mitzukommen.“ Der amtierende Bürgermeister ist wie meistens mit seinem weißen Lastenfahrrad unterwegs; damit wird er alle sieben Stationen besuchen. Außerdem machen Vereine wie der Bund Naturschutz beim gemeinschaftlichen Großputz mit, der in Puchheim einen Fokus auf Zigarettenkippen legt.

Eine junge Mutter wurde von ihrer zehnjährigen Tochter und den drei Freundinnen vom Fußballklub überredet und ist zum ersten Mal dabei. Eine andere Frau mittleren Alters macht zum dritten Mal mit, weil sie sich „einbringen will“. Und ein älteres Paar, ebenfalls erfahrene Teilnehmer, freut sich, dass die Aktion trotz Nieselregens stattfindet. „Sonst hätten wir allein etwas Müll eingesammelt, das machen wir sowieso öfters.“

Gemeinsam macht es aber mehr Spaß, selbst an einem solch unfreundlichen Tag. An einem kleinen Graben an der Grenze zu Puchheim befördern gerade zwei Grundschüler eine Flasche aus dem Wasser. Ihre Mutter steht mit einem Leiterwagen oben. Darin liegen schon einige Flaschen aus Glas und Plastik, Plastiktüten und die überall präsenten To-Go-Becher. „Wir wollten das schon öfter machen“, erzählt sie – und dass die Jungs sich allein schon aufregen, wenn Raucher ihre Kippen liegen lassen. Ein paar Straßen weiter ist ein Vater mit seinen Kindern unterwegs. Seine Töchter, fünf und neun Jahre alt, würden häufig den vielen umherliegenden Müll beklagen. Vor allem an Bushaltestellen fehlten öffentliche Abfalleimer. „Gäbe es mehr, wären die Leute vielleicht auch ordentlicher“, hoffen die Mädels.

Neben Kleinteilen finden die Sammler auch eine Menge illegal entsorgten Sperrmüll. Zum Beispiel eine Matratze samt Spannbetttuch, eine Sonnenliege und einen Teppich! Ihn, wie auch die erschreckend vielen vollen Säcke an den Sammelstellen, wird später der Bauhof mit seinen Lastwagen abholen. Insgesamt 17 Kubikmeter Müll werden am Ende in beiden Orten zusammenkommen, darunter unzählige Zigarettenkippen und je ein Einkaufswagen.  

 Darja Konec-Fakler aus dem Puchheimer Rathaus organisiert schon seit vielen Jahren das Rama dama und freut sich über stabile Teilnehmerzahlen - auch bei schlechtem Wetter.

Stadt Puchheim

Insgesamt machen an diesem Vormittag in Puchheim und Gröbenzell rund 350 Menschen mit. „Viele davon sind fast jedes Jahr dabei“ freut sich Darja Konec-Fakler vom Rathaus Puchheim, die die Aktion seit vielen Jahren organisiert. Die anschließende Umfrage von Norbert Seidl im vollen Jugendzentrum Stamps bestätigt die Annahme: „Aber immerhin sind ein Viertel oder Fünftel Neue gekommen“, freut er sich. Und hebt die Bedeutung der Aktion für die Umwelt sowie das Gemeinschaftsgefühl hervor. „Wenn man dann den Berg Müll sieht, dann weiß man um die Notwendigkeit des Rama dama alljährlich. Besonders wertvoll ist das aktive Dabeisein der Kinder und Jugendlichen aus den Schulen, weil damit Grundlagen gelegt werden, die das Erwachsenenleben bestimmen werden.“ In Puchheim sind die Schulen in die Aktion mit eingebunden.

Den Frühjahrsputz beendet der Bürgermeister nicht nur mit den überall obligatorischen belegten Semmeln, heißen Würsteln und Getränken für die Helfer: In Puchheim findet im Anschluss stets ein kleines Event mit Verlosung statt. Der musikalische Norbert Seidl animiert die Teilnehmer zum Mitsingen bei einem thematisch passenden Rap – dazu gibt es ein Müllquiz und Präsente aus dem Geschenke-Schrank des Rathauses. Gut möglich, dass die Gewinner auch heuer am 21.März wieder dabei sein werden. Seidl selbst lässt es sich jedenfalls nicht nehmen, auf seine Weise noch einmal den Helfenden für die tatkräftige Unterstützung zu danken.

 

Auch Kinder helfen in Hattenhofen mit.

Dorf Hattenhofen

Auch an diesem Wochenende ist es alles andere als frühlingshaft: Nieselregen durchfeuchtet die Teilnehmer, glänzt auf den Straßen und weicht deren Ränder auf. Und das, was Achtlose fallen gelassen haben. Trotzdem sind rund 25 Teilnehmer gekommen, „bei besserem Wetter sind es mehr“, versichert Bürgermeister Franz Robeller. Kinder sind dabei, und ein Neubürger aus dem Elsass, der sich auch in den Vereinen engagiert – in einer so kleinen Gemeinde wie Hattenhofen fallen neue Gesichter und ihr Engagement positiv auf.  

Die Ortsverbindungsstraße zwischen Haspelmoor nach Hörbach hat der Bürgermeister schon im Vorfeld begangen. „War nicht viel,“ stellt er zufrieden fest und vermutet, dass das am neuen Sammelturnus liegt. Jährlich, anstelle des bisherigen zweijährigen Rhythmus ist der jetzt. Dass das „Öfter“ „Weniger“ bedeutet, werden später auch die Feuerwehren bestätigen. Weil sie mit Einsatzfahrzeug gut gegen den Verkehr gesichert sind, ist ihr Einsatzgebiet die vielbefahrenen Bundes- und Kreisstraßen. Die Pfandflaschen am Ende in bare Münzen umzutauschen, wird sich dennoch für die Vereinskasse lohnen.

Weil das Wetter durch Warten nicht besser wird, teilen sich die Anwesenden rasch auf:  Eine Gruppe geht zum Spielplatz, eine andere Richtung Bahnhof. Eine dritte in die entgegengesetzte Richtung. Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, geht es mit dem Müllsack in der Hand los. Im Ort selbst scheinen die Bewohner vor ihrer eigenen Haustür Sorge zu tragen. Kaum ein Fitzelchen Papier findet sich hier. Anders auf öffentlichen (Sport-)Plätzen und Straßenrändern: Bücken, Böschung raufsteigen, knien, runterrutschen: ab in den Sack mit dem nassen Zeug. Das reinste Fitness-Training ist das. Und immer mehr Müll scheint aus dem Boden zu wachsen, je achtsamer das Auge schaut. Hier Fastfood-Schüsseln nebst silbernem Löffel und Sushi Behälter, dort aufgeweichte Kaffeebecher. Vor allem leere Bierflaschen ruhen im Gebüsch, hinter der Parkbank, auf dem Parkplatz und in dem tiefen Graben zwischen Straße und Bahnhof.

Der Wertstoffhof unter der Straßenbrücke ist zudem das reinste Sammellager an diversen Abfällen. Puzzleteile, Spielzeugfiguren, Kronkorken, Plastikplanen: So schwer kann es doch nicht sein, in den Container zu treffen! „Anscheinend schon“, meint kopfschüttelnd Ernst Hagl von der Zukunftswerkstatt, der seinen fleißigen Enkel Ludwig (6) mitgebracht hat.

Erfreulicherweise hält sich das Müllaufkommen dennoch in Grenzen, Rasch ist der Bahnhofsbereich entmüllt, der Spielplatz von ein paar Plastikbändern und anderem befreit. Entlang picobello sauberer Straßenränder stapft die Gruppe zurück – mit dem zufriedenen Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. Der Regen hat auch aufgehört. Würschtl und Semmeln schmecken nach der erfolgreichen Aktion noch mal so gut. Und am Ende sind es wenige „nur“ halb gefüllte Säcke, die der Bauhofmitarbeiter gen Mammendorf zum zentralen Extracontainer transportieren muss. Gar keine wäre ihnen 2026 natürlich lieber!

 

Rama dama-Termine:

Alling: Samstag, 21. März, am Hartplatz, 10 bis 12.30 Uhr

Althegnenberg/Hörbach: Samstag, 21. März, 9 Uhr

Adelshofen: Samstag, 21. März, 9 Uhr

Gröbenzell: Samstag, 21. März, 9.30 bis 11.30 Uhr (Ausweichtermin 28. März). Treffpunkte: Lena-Christ-Straße/Ecke Tannenfleckstraße, an den kleinen Wertstoffhöfen neben der Grundschule (Bernhard-Rößner-Straße), am Bahnweg beim Wasserfall sowie im Sonnenweg (Ecke Birkenstraße),bei der Kneippanlage an der Gröbenbachschule, am Feuerwehrhaus und am Ascherbachspielplatz.

Hattenhofen: Samstag, 21. März, 9 Uhr (ab Bauhof)

Kottgeisering: Samstag, 28. März, 9.30 Uhr (ab Rathaus)

Maisach/Gernlinden/Überacker: Samstag, 14. März, 9 bis 12 Uhr

Malching/Germerswang: Samstag, 21. März, 9 bis 12 Uhr

Mammendorf: Samstag, 21. März, 9 Uhr

Mittelstetten: Samstag, 28. März, 9 Uhr

Moorenweis: 8 bis 12 Uhr

Puchheim: Samstag, 21. März, 9.15 Uhr. Treffpunkte: Volksfestplatz (Bürgermeister-Ertl-Straße), hinter dem Rathaus (Ringpromenade), Puchheim Ort (Kneippanlage). Anmeldung bis Dienstag, 17. März: umwelt@puchheim.de.

Türkenfeld: Samstag, 21. März, 9 bis 12 Uhr

 

 

 

 

„Dolce Vita – la Primavera!“

„Dolce Vita – la Primavera!“

Seriös, zuverlässig, günstig und wertschätzend für alle Seiten

Seriös, zuverlässig, günstig und wertschätzend für alle Seiten