Ein Ofen, der verbindet
Text: Petra Neumaier - Fotos: Simon Katzer
Wenn in Puchheim der Backtag anbricht, liegt schon früh am Morgen der Duft von Holz in der Luft. Es ist einer dieser ersten und dritten Samstage im Monat, an denen das „Ortler Backhäusl“ zum Mittelpunkt des Dorflebens wird.
Seit 8 Uhr ist auch Rainer Soppa vor Ort. Routiniert schiebt er die Fichtenholzscheite in den engen Schlund des Ofens, entzündet das Feuer und behält die Temperatur im Blick. Bis zu 500 Grad muss das Thermometer hinter der schweren Eisentür anzeigen. Erst dann hat der Ofen genug Hitze gespeichert und die Glutreste werden herausgeholt. Jetzt bekommt der Ofen noch etwas Zeit, damit sich die Hitze gleichmäßig im Schamott verteilen und auf 300 Grad absinken kann. Um 11 Uhr beginnt schließlich der eigentliche Backtag.
Das Backhäusl in der Alten Bahnhofstraße 10 ist mehr als nur ein Ort zum Backen. Es ist ein Treffpunkt, ein Stück gelebte Gemeinschaft – und ein Platz, an dem Tradition neu entfacht wird. In den Sommerferien dürfen Kinder und Jugendliche zudem im Rahmen des Ferienprogramms unter Anleitung der Teiggruppe ihr selbst geknetetes Brot im Holzbackofen backen. Geplant sind zudem Kooperationen mit Schulen, Brotbackkurse für Erwachsene und eigene Pizzatage.
In einer langen Schlange stehen längst Frauen und Männer an: Puchheimer, Allinger, Germeringer, vom Arbeiter bis zum Akademiker, von alteingesessen bis neu zugezogen, mit oder ohne Migrations- oder Flüchtlingshintergrund: Am Puchheimer Backhäusl halten alle gleich stolz die Rohlinge auf den Händen, die wie ein wertvoller Schatz unter Tüchern verborgen sind. Freudig wird sich begrüßt, neugierig werden Fragen gestellt und freundlich geantwortet.
Dass Brotbackhäuser einst weit mehr waren als reine Zweckbauten, zeigt auch ein Blick in die Geschichte. Seit dem 14. Jahrhundert sind sie in Europa belegt. Sie sparten Holz und Energie – vor allem aber waren sie Orte der Begegnung. Orte, an denen Neuigkeiten ausgetauscht, Erfahrungen geteilt und Gemeinschaft gelebt wurde.
Genau dieser Gedanke stand auch Pate für das Puchheimer Backhaus. Entstanden ist es aus dem städtischen Pilotprojekt „Bürgerbudget“ im Jahr 2022. Unter 19 Vorschlägen erhielt das „Ortler Backhäusl“ die meisten Stimmen. Bis zur Umsetzung vergingen zwar drei Jahre, doch dank vieler Unterstützer und örtlicher Firmen konnte das Projekt schließlich Wirklichkeit werden. Im November 2025 wurde der erste öffentliche Backtag gefeiert.
Auch für die ehrenamtlichen Helfer, allen voran Sergius Ruppaner und Rainer Soppa, bleibt jeder Backtag spannend: Was wird diesmal aus dem Ofen gezogen? Mischbrote, Vollkornbrote, Sauer- oder Hefeteige, Fladenbrote? Die Vielfalt und Kreativität scheinen keine Grenzen zu kennen. Alles ist möglich, nur ein Kilogramm sollte möglichst jedes Brot wiegen – bis zu 18 Laibe finden dann gleichzeitig im Ofen Platz.
Und während jene backen, wird geratscht – stehend oder am Biertisch sitzend: Getränke und Kostproben verkürzen die Wartezeit. Und natürlich werden hier auch Rezepte ausgetauscht, Tipps weitergegeben. „Man lernt immer dazu“, sagt Rainer Soppa – und meint damit nicht nur das Backen.
Es dauert nicht lange, bis der herrliche Duft von frischem Brot aus dem Ofen steigt. Nur noch ein bisschen Geduld, dann ist es so weit. Ein Brot nach dem anderen holt er aus dem Ofen. Ein Moment, der die Bäcker vor Glückseligkeit von einem Ohr zum anderen strahlen lässt: „Es schmeckt soooo viel besser als Industriebrot“, sind sich alle einig.
Eine Anmeldung ist bis spätestens drei Tage vor dem Backtag erforderlich. Gebacken wird jeden ersten und dritten Samstag im Monat. Der Unkostenbeitrag beträgt 2 Euro pro Brot. Informationen gibt es über den QR-Code am Backhaus oder per E-Mail an ortlerbachhaisl@gmail.com.

