Das Grün, das auf der Zunge schmilzt

Das Grün, das auf der Zunge schmilzt

 Text und Fotos: Erich C. Setzwein

Pistazien müssen sein. Allein das Grün ist besonders, und wenn dann noch die fein gehackten grünen Kerne im Mund verweilen, während die cremige kalte Masse schmilzt ... „das löst ein Glücksgefühl aus“, sagt Adriano Cesco, der das aber auch über jede andere Eissorte sagt. In diesem Sommer gilt das aber explizit für die Sorte Pistazie, die in den Eiscafés im Landkreis besonders beliebt ist. Ob es nun in Neu-Esting bei Mr. Eis ist, in Emmering im Fioccho Del Neve oder im altehrwürdigen Al Ponte an der Amperbrücke in Fürstenfeldbruck.

Pistazien sind schon lange die aromatische Zutat für Speiseeis. Doch erst der Hype um die Dubai-Schokolade, in der Pistaziencreme mit knusprigem „Engelshaar“ eine köstliche Verbindung eingeht, hat eine stärkere Nachfrage ausgelöst. Da sind sich die Eismacher einig.

  Täglich wechselnde Sorten werden bei Mr. Eis in Neu-Esting. angeboten

Dabei steht das grüne Eis in Konkurrenz zu den vielen anderen Sorten, die sich die Eismacher von Mammendorf bis Puchheim und von Olching bis Grafrath ausdenken, herstellen und in die matt schimmernden Edelstahlbehälter füllen. Die Entscheidung fällt den Kunden meist schwer: Soll es diesmal die neue Sorte Maracuja-Hibiskus sein oder doch das saure Zitroneneis gepaart mit dunkler Bitterschokolade?

In Fürstenfeldbruck hat Al-Ponte-Chef Claudio Nicola in den vergangenen 50 Jahren, in denen er das Eiscafé führt, die Erfahrung gemacht: „Es sind die Klassiker, die die Menschen lieben.“ Und der 79-Jährige ist sich sicher, dass das so bleiben wird. Unter den 70 Sorten, die das Al Ponte in seinem wechselnden Angebot hat, befinden sich aber auch die aktuell angesagten Geschmacksrichtungen.

Adriano Cesco, Inhaber von Mr. Eis in Neu-Esting.

An der Emmeringer Hauptstraße versuchen Maria und Fernando Cardoso, ihre Kunden alle paar Tage neu zu überraschen. Zum Beispiel mit Zitrone-Lavendel oder Pfirsich-Rosentee Eis. „Manchmal kommen die Leute nach einer Woche wieder und wollen das Apfel-Ananas-Eis. Aber da haben wir schon wieder etwas Neues“, sagt Eismacher Fernando Cardoso. Vor 18 Jahren hat das aus Portugal stammende Ehepaar das Eiscafé übernommen, „und wir bekommen jeden Tag Komplimente für unser Eis.“ So etwa für das gleichnamige „Fioccho Del Neve“ mit Kokos.

Erfinderisch zu sein, um Stammkunden wie neue Konsumenten bedienen zu können, ist besonders herausfordernd, wenn es nur ein Eiscafé im Ort gibt. Das geht den Cardosos nicht anders als Adriano Cesco. Der 45-Jährige hatte bereits im Tiroler Hof und später in seiner eigenen Eisdiele in Gröbenzell eine Konkurrenzsituation. Im Olchinger Stadtteil Neu-Esting ist er der Einzige, der frisches Speiseeis herstellt: „Da musst du dir immer etwas einfallen lassen.“

Eigene Ideen und beste Rohstoffe sind für die Cardosos wie auch für Adriano Cesco und Claudio Nicola die Grundvoraussetzungen für gutes Eis. Milch, Sahne, Zucker und Früchte oder Nüsse ergeben bei schonender Zubereitung in der Eismaschine eine geschmackvolle Masse, ohne künstliche Farb- oder Zusatzstoffe.

Weil aber die hochwertigen Zutaten teurer geworden seien, habe sich auch der Preis verändert. Um die zwei Euro kostet inzwischen eine Kugel Speiseeis, die einfacheren Sorten etwas weniger, die aufwendigeren deutlich mehr. Weiter nach oben treiben ließe sich der Preis kaum, meint Claudio Nicola: „Eis muss ein Produkt bleiben, das sich jeder leisten kann.“

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