Luttenwang-Liebe
Text: Ricarda Traub - Fotos: Corinna Eichberger-Renneisen
Morgens, halb zehn in Luttenwang. Die Sonne steht schon warm über den Feldern, der Mähdrescher zieht seine Bahnen durch das goldgelbe Weizenmeer. Ein sanfter Duft von frisch eingebrachtem Heu liegt in der Luft und aus dem Stall spähen neugierige Kühe, wiederkäuend, als wollten sie das morgendliche Treiben kommentieren. Nicht weit davon gackern die Truthähne, während auf ihrer eingezäunten Wiese eine Katze gemächlich über das Gras schleicht. Auf einem der Höfe stapeln sich die frisch gepressten Heuballen – bereit, um in den Stall oder die Scheune verladen zu werden.
Weniger Trubel herrscht an einem schmiedeeisernen Tor, das von schattenspendenden Bäumen umrahmt wird und den Weg zu einem gepflegten Friedhof und der schlichten Kirche Mariä Himmelfahrt mit ihrem dunklen Schindeldach öffnet. Ein Mann mit Gießkanne nickt freundlich herüber. „Wenn’s nachher gleich zwölf schlägt“, sagt er im Vorbeigehen, „bin ich beim Frietinger – da gibt’s gutes Essen.“ Einladender kann ein Tipp kaum sein. Also los!
Tatsächlich. Während in so vielen anderen kleinen Ortschaften Gasthäuser der Vergangenheit angehören, ist dieser noch voll in Betrieb. Unter der mächtigen, schattenspendenden Linde reihen sich lange Holztische, gedeckt mit rot-weiß karierten Tischdecken. Und herrlich duftet es aus der Küche. Hans Frietinger, der Wirt, war vorhin noch auf dem Feld, jetzt steht er am Herd und bringt Teller mit Hausmannskost an die Tische. Es sind vor allem Arbeiter aus den umliegenden Handwerksbetrieben, Rentner oder vorbeikommende Radfahrer, die hier einkehren – auf ein Mittagessen, ein kühles Getränk und ein Stück echtes Dorfflair. „Es ist schön, dass wir hier im Ort ein so gutes Miteinander und Zusammenleben haben“, schwärmt der Gaststättenbesitzer“, und dass die Wirtschaft noch vielen als Treffpunkt dient.“
Markantes Wahrzeichen von Luttenwang ist der hohe, spitze Turm der Kirche Maria Himmelfahrt, der in der idyllischen Landschaft von weither zu sehen ist. Immer unterwegs auf der Suche nach schönen Geschichten aus und über ihre Heimat ist Petra Schäfer.
„Unser Frauenstammtisch trifft sich hier auch regelmäßig“, ergänzt Petra Schäfer und steigt vom Fahrrad. Sie ist Mitgründerin und Herausgeberin des Schaukastl – einer ehrenamtlich gestalteten Dorfzeitung, mit Geschichten aus dem Gemeindeleben und Inseraten für Gartenarbeiten, Mitfahrgelegenheiten oder Hausaufgabenbetreuung. „Übrigens“ fügt sie noch hinzu, „den schönsten Blick über das Maisachtal hat man von der Hausbergstraße – dort, wo die Schafe grasen!“ Dann radelt sie die Straße weiter, die Richtung Haspelmoor führt.
Dort steht ein altes, längst verlassenes Häuschen – vom Wind und der Zeit gezeichnet. In den 1970er-Jahren beherbergte es eine kleine Poststelle, die von Rosa Huber geführt wurde, im Dorf besser bekannt als die „Post-Rosl“. Hier konnte man telefonieren, seine Rente abholen oder Briefe versenden.
Gepflegt mit schönen Bauerngärten sind die Gebäude in Luttenwang. Unbedingt probieren sollte man die traumhaften Melonen, die ein Landwirt vor Ort anbaut.
„Mama, schau, endlich gibt’s wieder Melonen!“, jubelt Nina begeistert, während ihre Schwester Emma bereits eifrig ein paar der prallen Früchte in ihren kleinen Einkaufswagen lädt. Sie sind bei „Melonen Dittert“ – einem der beiden liebevoll eingerichteten Stände im Dorf, an denen der Landwirt seine Ernte verkauft: große und kleine Wassermelonen, Honigmelonen, dazu frisch gepresster Apfel- und Birnensaft von umliegenden Streuobstwiesen und knackige Gurken. Nadine Ansorge kommt mit ihren drei Kindern regelmäßig hierher. „Viel besser als aus dem Supermarkt“, sagt sie und schaut ihren Töchtern zu, wie sie genüsslich in das kühle Obst beißen. Gezahlt wird direkt an der kleinen Kasse – bar oder per PayPal, ganz unkompliziert. Obwohl Familie Ansorge „zuagroast“ ist, fühlt sie sich längst zuhause. „Die Höfe sind alle gepflegt und der Ort strahlt für mich so eine Ruhe aus “, schwärmt die 37-Jährige. Ihre Kinder zieht es vor allem auf den Spielplatz mit angrenzendem Fußballfeld, während sie selbst die weitläufigen Feld- und Spazierwege rund um die Ortschaft schätzt. „Hier draußen lebt es sich einfach gut.“
Dazu tragen gewiss auch die vielen Vereine bei, die das Dorfleben lebendig halten – vom Gesangsverein über die Landjugend bis hin zur Freiwilligen Feuerwehr, die im Mai ihr 100-jähriges Bestehen mit einem festlichen Wochenende gefeiert hat.
Ganz klar: Luttenwang ist liebenswert und lebenswert!
Steckbrief Luttenwang
Lage
Gemeindeteil von Adelshofen; 1978 wurde die bisher selbständige Gemeinde Luttenwang zu Adelshofen eingegliedert
Namensherkunft
Im Jahr 858 wird der Edle „Fridaloh von Liuttinuuanc“ bei einem Gütertausch des Bischofs von Freising genannt.
Einwohner
ca. 400
Spazierwege, Radtouren und Aktivitäten
Viele Feld- und Spazierwege, Wälder und immer wieder schöne Aussichtspunkte mit Blick auf die Bergkette.
Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr
Bus 823 Dünzelbach – Fürstenfeldbruck

