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Applaus! Ja, bitte!

Applaus! Ja, bitte!

Fotos Corinna Eichberger-Renneisen, Simon Katzer, privat -  Text: Doris Stickelbrocks

 

Die singt aber toll! Und dieser alte Song: seit Ewigkeiten nicht mehr gehört. Eine Steptanz-Einlage? Mal was anderes. Danach setzt sich ein Pianist an den Flügel. Er begleitet eine Sängerin in prächtiger Robe bei einer Arie. Gänsehaut. Der nächste Kandidat hat eine Gitarre dabei – seine langen Wartezeiten auf S-, U-, Trambahnen und Busse vertonte er in einem originell getexteten Lied: „Nahverkehr“... Die „Offenen Bühnen“ im Landkreis sind für das Publikum ebenso unterhaltsam und abwechslungsreich wie sie für die Teilnehmer aufregend sind. GUSTL-Mitarbeiterin Doris Stickelbrocks schreibt aus eigener Erfahrung und besuchte im Laufe der vergangenen Monate mehrere Veranstaltungen, die Lust auf einen Besuch machen – oder darauf, einmal selbst Bühnenluft zu schnuppern.

 

Die gute Akustik im Olchinger KOM begeistert alle auf und vor der Bühne

Offene Bühne, Olching. Nächstes Duo. War da ein kleiner Patzer? Macht nichts. Sehr sympathisch. Gleich ist die letzte Band dran. Wir: „Bro'secco“. Nicht der erste Auftritt der Musikgruppe, die aus einem Gitarristen, einem Percussionisten und uns drei Sängerinnen besteht. Trotzdem: Die Kehle ist plötzlich trocken, die Hände sind feucht. Das sollte umgekehrt sein! Dazu dieses leicht wackelige Gefühl in den Knien… der Verstand ist einfach machtlos gegen Lampenfieber. Die letzten Schritte hin zum Mikrofon, der Blick von oben in die vielen aufmerksamen Gesichter. Durchatmen und los geht’s: Zehn Minuten im Rampenlicht. Verbeugung. Die Aufregung verfliegt und macht der Freude und Erleichterung Platz.

 

Conny Berger formt ihre Erlebnisse und Gedanken zu bayerischen Liedern.

Der Applaus des Publikums ist der Lohn für alle Künstler und er ertönt in leicht abgestuften Variationen zwischen wohlwollend-freundlich und begeistert-frenetisch. „Oft erkennt man richtige Fan-Ecken im Saal“, erzählt Vanessa Schäufele. Seit fünf Jahren organisiert sie die Offene Bühne im KOM. Schon bald nach Eröffnung der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach im Jahr 2004 entstanden dort die Hausmusik-Nachmittage unter dem Motto „Hier sind wir daheim, hier spielen wir auf“. Popsongs mit englischen Texten, Mikrofone und Verstärker gab es in den Anfangszeiten nicht, inzwischen gehören sie fest dazu: Die Bühne steht für Musik aller Stilrichtungen offen. Und man muss kein Olchinger Bürger sein, um aufspielen zu dürfen. „Schön ist es aber, wenn man einen Bezug zu Olching hat, zum Beispiel früher hier gewohnt hat oder hier arbeitet“, erklärt die Organisatorin.

 

Martin Pollok und Irina Firouzi führen das Publikum durchs Germeringer Kultur-Labor.

Die Atmosphäre beim Eintreffen der Teilnehmer ist fröhlich und geradezu familiär. Wer sich noch nicht kennt, kommt schnell ins Plaudern und wird neugierig auf den Auftritt der Kollegen. Und es öffnet sich für die Künstler eine Tür, die dem Publikum verschlossen bleibt: der Backstage-Bereich. Ein Raum mit Tisch und Stühlen, am Rand werden die Instrumententaschen abgestellt, Getränke und kleine Snacks stehen bereit, wie nett! In der Ecke ein Ganzkörper-Spiegel, nebenan, ganz wichtig, die Toilette. Allmählich füllt sich der Saal. Die vielen unbekannten Leute im Publikum: kein Problem. Aber die Familie und die Bekannten! „Gerade habe ich erfahren, dass meine beste Freundin kommt. Da schießt das Adrenalin nochmal richtig hoch“, sagt Sängerin Brigitte Wagenpfeil und fiebert ihrem Auftritt entgegen.

 

Szenenwechsel. Das „Kultur-Labor“ Germering. Initiator und Moderator Martin Pollok rappt ein wortgewaltiges Intro im Outfit eines Chemielaboranten samt Schutzbrille: Alles klar, hier soll wild gemischt und experimentiert werden. Newcomer und etablierte Künstler aus Germering und Umgebung können sich auf der Bühne präsentieren und Neues ausprobieren, egal ob Musik, Poetry, Comedy, Rap, Geschichten, Zauberei oder Puppenspiel. „Extra für Sie wurden in intensiver Forschungsarbeit humorgeladene Performances, musikalischer Ohrwascherlschmaus oder Texte zum Nachdenken aus kühnen Ideen herausdestilliert und publikumsgerecht dosiert“, heißt es in der Ankündigung. Das Moderatoren-Duo präsentiert jeden Programmpunkt einzeln. Ein sehr junger Poetry-Slammer berührt mit einem Gedicht über die Familie, eine Geschichtenerzählerin sorgt für Spannung und erheitert mit der Pointe, Gesangs- und Instrumentalkünste an Klavier, Harfe und Flamenco-Gitarre beeindrucken. Der junge Singer-Songwriter Max Moody bedankt sich in einer Ansage für die Auftrittsmöglichkeit: „Das hier ist echt. Auf der Bühne zu sein, nervös zu sein, Blödsinn zu labern. Echt ist viel besser, als dauernd am Handy zu hängen.“ Vom Handy auf die Bühne kam auch Conny Berger. Sie schreibt eigene Lieder in ihrer Muttersprache Bayerisch und ihre witzig verpackten, schrägen Erfahrungen mit Dating-Apps sorgen für Lachen und Beifall.

 

Um Wortwitz, Emotionen und Applaus geht es auch beim Germeringer „G-Town-Slam“ in der Stadthalle. Seit 2024 findet er viermal jährlich statt und wird von den etablierten Szene-Größen Ko Bylanzky und Mate Tabula organisiert und moderiert. „Das Format Poetry Slam ist an sich spannend, weil es eine geringe Einstiegshürde bietet, mal mit seinen Texten vor größerem Publikum aufzutreten. Alle sind willkommen. Dementsprechend sind auch die Texte, die man hört, thematisch und stilistisch sehr vielfältig“, bringt es Mate Tabula auf den Punkt. Neben Bühnenpoeten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum sind Leute aus Germering und Umgebung sowie junge Teilnehmer gern gesehen: der jüngste stand mit zwölf Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. Und so manchen Künstler trifft man bei anderen Auftrittsorten wieder.

 

Vanessa Schäufele kümmert sich um die Künstler im KOM.

Eine weitere Offene Bühne bietet der „Hofsalon“ im Germeringer Rossstall. „Mir ist es auch wichtig, die Künstler untereinander zu vernetzen“, erklärt Organisatorin Cecilia Gagliardi. Viele, die die Bühnenbretter einmal betreten haben, tun es immer wieder und sie tauschen sich auch über die verschiedenen Auftrittsmöglichkeiten aus. Neue im Kreis der Mutigen werden herzlich aufgenommen. Und natürlich gibt man sich auch Tipps, zum Beispiel gegen das Lampenfieber. Kleiner Trost: Von Mal zu Mal wird es besser.

Offene Bühnen im Landkreis

 Offene Bühne (Musik aller Art)

KOM, Olching

27. September, 15 Uhr, Eintritt frei

Mit Liedermacherin Conny Berger u.a.

Bewerbung an kultur@olching.de

 

Das Kultur-Labor (Bühnenkunst aller Art)

Stadthalle Germering, Nachtasyl

18. Oktober, 19.30 Uhr, Eintritt: 5,50 €

Mit Georg Eggers alias „Groeg“ und einem Auszug aus seinem Science-Comedy-Programm „Physik des Scheiterns“, Rapper EmilK, Erzählerin Wibke Reimer, Sopranistin und Pianistin Irina Firouzi u.a.

Bewerbung an kultur-labor@stadthalle-germering.de

 

G-Town-Slam (Selbst geschriebene Texte)

Stadthalle Germering, Amadeussaal

16. Oktober, 19.30 Uhr, Eintritt: 15,50 €

Mit Tamara Stocker (u.a. Österreichische und Tiroler Poetry-Slam-Meisterin aus Innsbruck), Elena Calliopa (Bayerische Vizemeisterin 2025 aus München), Yannik Ambrusits (u.a. 2022 deutschsprachiger Poetry Slam-Meister in der Kategorie U20 aus Würzburg), Thomas Eiwen (zweimaliger Finalist des Bayernslams aus Rosenheim) u.a. Nächster Termin am 3. Dezember. Bewerbung an gtownslam@gmx.de

 

Hofsalon (Bühnenkunst aller Art)

Rossstall Germering

ca. 2 x jährlich (nächster Termin stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest)

Musik, Wort, Kleinkunst

Bewerbung an cmcantastorie@gmail.com    

 

Open Mic Night

Brews Irish Pub, Leonhardsplatz 5, Fürstenfeldbruck

Hier greift der Wirt selbst zur Gitarre – und lässt auch andere gern ans Mikro.

Jeden Mittwoch, Eintritt frei

 

TOP FM Bühne frei

Euer Song im Radio

Jeden Montag und Mittwoch um 18.45 Uhr auf Radio Top FM

Bewerben auf der Internetseite www.topfm.imsueden.de

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